Gruorn

Das alte Dorf Gruorn befindet sich auf der Schwäbischen Alb in der Nähe von Münsingen. Heute ist es ein Treffpunkt der Einheimischen, Attraktion und Ausgangspunkt vieler Wanderungen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen. Der Ort wurde 1939 innerhalb kurzer Zeit zum Zweck der Vergrößerung des Platzes geräumt und war danach verlassen.

Eingang nach Gruorn mit Schule und Stephanuskirche

Orte in der Umgebung von Gruorn wurden schon früh erwähnt. Trailfingen (die Tragolfinger marca) 758, die villa Dragolfingen mit 1 Kirche, Seeburg (Seburc) und Münsingen (die Munigesenger marca) im Jahre 770. Gruorn soll von den Alemannen gegründet sein. Auf der südöstlichen Markungsgrenze hat sich im Mittelalter die Burg Reichenau oder Rosenau befunden. Darauf deutet ein noch erhaltener Graben hin. Im Jahre 1108 erscheinen Beringer de Grure und wieder Waltherus de Gruron als Zeugen bei einer Schenkung an das Kloster Blaubeuren. 1137 schenken nach den Zwiefalter Annalen Ogge de Grurin und sein Bruder Cono dem Kloster Zwiefalten Güter in Gomadingen und am Ort.

Fresken in der Kirche

Heinrich Späth übereignete 1410 die Kirche zu Gruorn, die er von Württemberg zu Lehen hatte, an Conrad von Freyberg, genannt Stubenrauch. Das heutige Gotteshaus soll von einem Fräulein von Reichenau oder Rosenau gestiftet, oder wahrscheinlicher neu erbaut worden sein. Darauf verweist ein Wappen mit der Jahreszahl 1522, welches das Wappen des Fräuleins sein soll. Dieselbe Jahreszahl befindet sich auch an dem Chor. Das Langhaus der Kirche wurde im Jahr 1622 gebaut und 1822 erneuert. Der Chor ragt weit über dieses hervor. An der Stelle der Kirche soll einst eine uralte Kapelle gestanden haben. Filiale der Pfarrei war das Dorf Trailfingen. Ehemals soll Gruorn selbst Filiale von der alten Kirche zu Seeburg gewesen sein.

Die Kirche

Um das Jahr 1515 war Gruorn zusammen mit Hengen, Trailfingen, Rietheim, Seeburg und Wittlingen in einem gemeinschaftlichen Gericht und Unteramt verbunden. Bis in das 16. Jahrhundert zog sich durch die Gemarkung und nahe am Dorf eine Landstraße von Urach nach Ehingen. Sie kreuzt zwischen Zainingen und Gruorn die Hochstraße. Darüber hinaus verlief bis zum 16. Jahrhundert über Münsingen noch eine alte Handelsstraße aus Italien über den Bodensee und die Alb nach Nürnberg.

Die alte Straße nach Gruorn

Bereits 1535 hatte Gruorn einen evangelischen Prediger. Zu diesem Zeitpunkt gehörte es zum Amt Urach und verblieb in dem württembergischen Oberamt. Ab 1934 kam das Dorf bis zur Übernahme durch den Truppenübungsplatz noch für einige Jahre zum Kreis Urach. Um 1820 hatte Gruorn 446 Einwohner und zuletzt im Jahr 1938 665 Einwohner. Außer den Menschen die hier wohnten, mussten auch die Bewohner der Siedlung Heroldstatt und einiger verstreuter Höfe ihre Heimat verlassen.

Gruorn vom Flugzeug aus

Seit Juli 1945 wurde der Truppenübungsplatz von der französischen Armee genutzt. Bis zu den 1960er Jahren waren durch die Militärübungen im Dorf Gruorn alle Häuser zerschossen, teilweise schwer zerstört und wurden dann im wesentlichen abgerissen. Der Friedhof rund um die Kirche war ebenfalls betroffen. Leider wurde keine Rücksicht auf die kulturellen Hinterlassenschaften der alten Bewohner genommen.

Schafherde vor Ruinen

In der darauffolgenden Zeit kam es zur Instandsetzung zweier Gebäude. Daher blieben die alte Schule, erbaut 1881, und die Stephanuskirche mit dem Friedhof, sowie das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges für die Nachwelt erhalten. Außerdem existieren einige weitere Ruinen, die den Soldaten vormals für Schießübungen dienten.

Gefallenendenkmal mit Schule

Das Komitee zur Erhaltung der Kirche in Gruorn wurde gegründet und widmete sich den Aufbau- und Erhaltungsarbeiten. Seit 1968 treffen sich hier die Alt-Gruorner und auswärtige Interessierte jährlich an Pfingsten, um am Schicksal des Ortes teilzuhaben und seit 1973 auch den Gedenkgottesdienst in der Kirche zu feiern. 1992 erfolgte die Übergabe des Truppenübungsplatzes an die Bundeswehr. Nach dem Ende der militärischen Nutzung erfolgte eine großflächige Beseitigung von Munitionsresten und 2006 wurden markierte Wanderwege für die Öffentlichkeit freigegeben.

Die Mauern eines Hauses mit der Kirche im Hintergrund

Die alte Schule von Gruorn ist heute als Gedenkstätte hergerichtet und hat mit der Heimatstube auch eine kleine Gastwirtschaft, die an Sonntagen geöffnet ist. Immer noch findet jedes Jahr an Pfingsten das Zusammentreffen der Gruorner mit ihren Gästen statt, nur dass sie heute nicht mehr auf einen Tag im Jahr festgelegt sind, sondern jederzeit, wann es ihnen beliebt, das Dorf besuchen können.

 Die alte Schule von Gruorn