Franzosen in Reutlingen

Nach 1945 hatte die französische Armee in Reutlingen mehrere Stützpunkte: Die 1936 erbaute Hindenburg-Kaserne und die Ypern-Kaserne im Ringelbach, den Truppenübungsplatz am Listhof sowie weitere Nebengebäude über die Stadt verteilt. Die Soldaten und ihre Familien wurden mit der Zeit gut in das gesellschaftliche Leben integriert.

Ypern-Kaserne

Zwar gab es nach dem Zweiten Weltkrieg viele Vorbehalte, als Deutschland in Besatzungszonen aufgeteilt wurde und die Menschen sich einer fremden Herrschaft ausgesetzt sahen. Doch die Reutlinger Bevölkerung merkte, dass die Franzosen ihnen helfen würden. Und nach der Neugründung der Bundeswehr im Jahre 1955 erfolgte auch auf militärischem Gebiet eine gute Zusammenarbeit. Damit die Soldaten an freien Tagen schnell in ihre Heimat gelangen konnten, wurde für sie eine Fernbuslinie von Reutlingen über Tübingen, Freudenstadt und die Ortenau nach Straßburg im Elsass eingerichtet. Von dort hatten sie dann über die Bahn Anschluss in die Regionen Frankreichs.

 Hindenburg-Kaserne 1997

Einen weiteren Meilenstein setzten die Städtepartnerschaften. Seit 1958 zählt Roanne im Département Loire zu Reutlingens Partnerstädten. Darüber hinaus kam im Jahre 1970 die Stadt Bouaké in Frankreichs ehemaliger Kolonie Elfenbeinküste dazu. Zahlreiche weitere Gemeinden in Reutlingens Umland, wie Pfullingen mit Passy (seit 1985), Eningen mit Charlieu (seit 1968) und Metzingen mit Noyon (seit 1979), haben eine bis heute gut funktionierende Partnerschaft zwischen Deutschland und Frankreich. In regelmäßigen Abständen erfolgen gegenseitige Besuche durch Politiker, Vereine, anlässlich von Feiern oder im Rahmen eines Schüleraustauschs.

 Hindenburg-Kaserne 1997

1961 wurde in Reutlingen der Deutsch-Französische Club gegründet, der seit 1975 als Deutsch-Französische Gesellschaft fungiert und bis heute im interkulturellen Dialog engagiert ist. Tausende Menschen aus Reutlingen und Umgebung lernten Französisch an der Volkshochschule und an den Abendschulen. Auch als die letzten Soldaten 1992 Reutlingen verließen, blieben die Freundschaften weiterhin bestehen. Die European Business School in Reutlingen bietet in Zusammenarbeit mit der Reims Management School und der Universität Straßburg gemeinsame deutsch-französische Studiengänge an. Und gerade heute, im vereinigten Europa, sind Besuche für Menschen beider Länder kein Problem mehr.

 TGV am Stuttgarter Hauptbahnhof

Schon längst verkehrt ein TGV-Schnellzug zwischen Paris, Karlsruhe, Stuttgart und München. Reutlinger fahren gerne mit dem Bus für Tagesfahrten ins Elsass, um historische Städte wie Straßburg oder Colmar zu besuchen. Die Vogesen sind ebenfalls ein beliebtes Ausflugsziel, das sich mit seinen feinen Gasthäusern und Wandererlebnissen auch für Kurzurlaube eignet. Und im Gegenzug kommen Menschen aus Frankreich immer wieder gerne in die Region Neckar-Alb, beispielsweise um in Metzingen in den berühmten Outlets einzukaufen, und natürlich auch, um die landschaftlichen Schönheiten der Schwäbischen Alb zu entdecken.