Hans Baltisberger

Der Motorradrennfahrer Hans Baltisberger wurde am 16. September 1922 in Betzingen geboren. Er machte sich vor allem in den 1950er Jahren einen Namen durch zahlreiche Rennteilnahmen im In- und Ausland. In der damaligen BRD war dies etwa am Hockenheimring, Nürburgring, Feldbergrennen, Solituderennen und Eifelrennen. Im damaligen Ostblock am Sachsenring bei Hohenstein-Ernstthal, in Leipzig, Schleiz und in Tschechien.

 Hans Baltisberger

Seine Erfolge liegen in einer Zeit, in der Motorradlegenden wie Wolfgang Brand, Helmut Hallmeier, August Hobl, Karl Lottes, Wilhelm Noll, Willy Reichert, Ernst Riedelbauch und Walter Zeller seine Wege begleiteten. Er fuhr Maschinen wie die AJS, NSU Sportmax (250 ccm) und 350 ccm, und wurde 1955 und 1956 Deutscher Meister seiner Klasse.

 Hans Baltisberger

Am 26. August 1956 verunglückte er auf dem Masaryk-Ring bei Brünn in Tschechien und kam dabei zu Tode. Wenige Tage später wurde er auf dem Betzinger Friedhof beigesetzt, wo sich das Grab, in dem auch sein Sohn Harald liegt, noch heute befindet. An der Unglücksstelle erinnert ebenfalls eine Inschrift an ihn.

 Sein Grab auf dem Betzinger Friedhof, um 1960

Hans Baltisberger auf der AJS in Schleiz 1953

Die drei Sportmäxe am Sachsenring 1955. Vorne Helmut Hallmeier, Mitte Wolfgang Brand, hinten Hans Baltisberger.

 Wolfgang Brand und Hans Baltisberger auf der NSU am Sachsenring 1955

 Hans Baltisberger und August Hobl am Sachsenring 1955

Hans Baltisberger

 Das Grab um 1960

Fotos: Gerhard Lindner (1925-2010)

Sehenswerte Reutlinger Altstadt

Treffpunkt für Schwaben, Reingeschmeckte und Gäste aus nah und fern

Die Reutlinger Altstadt ist problemlos mit dem Auto oder per Bahn von allen Richtungen her erreichbar. Viele ihrer Straßen sind großflächig zur Fußgängerzone ausgestaltet und laden zum Bummeln, Shoppen und Verweilen ein. Hier haben sich zahlreiche Filialen bekannter Anbieter niedergelassen. Menschen bis weit über die Grenzen der Region hinaus kommen deshalb zum Einkaufen nach Reutlingen.

Marienkirche mit Weihnachtsmarkt

Die Fußgängerzone bildet das Zentrum der Stadt Reutlingen. Ihr Herzstück ist die 800 Meter lange Wilhelmstraße, die zugleich auch Einkaufsmeile der Region Neckar-Alb ist. Die komplett autofreien Straßen sind das ganze Jahr über gut besucht. Die Wilhelmstraße führt an vielen wichtigen Sehenswürdigkeiten Reutlingens vorbei. Dazu gehören die Nikolaikirche, Marktplatz, Marktbrunnen, Zunftbrunnen und natürlich die Marienkirche. Sie ist eines der Wahrzeichen der Stadt und kann auch außerhalb der Gottesdienste besichtigt werden. Zu beiden Seiten der Wilhelmstraße befindet sich eine große Auswahl an Geschäften für jeden Bedarf. In letzter Zeit hat man viel für die Altstadt getan. Die Wilhelmstraße erhielt ein neues Pflaster, das optisch noch mehr zum Flanieren einlädt.

Wilhelmstraße

Der Marktplatz der ehemaligen Freien Reichsstadt strahlt eine angenehme Atmosphäre aus: Am Rand steht der 1570 erschaffene Marktbrunnen von Leonhard Baumhauser, den eine Steinfigur des Kaisers Maximilian II. ziert. Hinter dem Brunnen befindet sich das Spital mit schönem Innenhof, dessen Ersterwähnung ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Heute beherbergt er die Unterrichtsräume einer Schule, ferner werden hier Veranstaltungen abgehalten. Kleinpflaster zeichnen das Renaissance-Rathaus nach, das beim Stadtbrand 1726 zerstört wurde. Der Nachfolgebau stand an der Stelle des heutigen Rathauses aus den Sechzigerjahren. Es handelte sich um die ehemalige Fruchthalle, die bei einem Bombenangriff zerstört wurde. Ein weiteres Beispiel moderner Architektur ist der heutige Kreissparkassenbau mit Flachdach, den es in dieser Form bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gab.

Neues Rathaus

Vom Marktplatz führt die Katharinenstraße hinunter zum Tübinger Tor aus dem 13. Jahrhundert. In seinem Fachwerkturm befindet sich eine Wohnung für besondere Gäste der Stadt. Sie ist die zweitwichtigste Straße von Reutlingen, die nur den Fußgängern vorbehalten ist. Auch hier gibt es eine Reihe von heimeligen Geschäften und Gastronomie. Nicht nur Kinder finden am Brunnen vor dem Juweliersgeschäft eine angenehme Abkühlung. Vom Marktplatz in entgegen gesetzter Richtung steht das Gartentor, das ebenfalls seine Ursprünge im späten Mittelalter hat und früher verschlossen war. Erst um 1700 wurde ein Durchgang ermöglicht.

Tübinger Tor

Was gibt es noch zu sehen und erleben in Reutlingen ? Im Heimatmuseum in einem ehemaligen Kloster wird man über Kultur und Brauchtum aus 1000 Jahren informiert. Der Garten dahinter ist eine stille Oase und an seinen Mauern lehnen historische Grabsteine. Daneben zu finden ist das Spendhaus, größtes, mehrgeschossiges Fachwerkhaus und heute Kunstmuseum. Sehenswerte Stadtmaueranlagen befinden sich ebenso am oberen Ende der Altstadt (Südstadt) wie der Eisturm und die inzwischen schmalste Gasse der Welt, die Spreuerhofgasse. An der breitesten Stelle 40 cm breit, an der schmalsten jedoch nur 31 cm, kann sie nur von relativ schlanken Menschen durchwandert werden. Ein besonders großer Fachwerkbau ist das ehemalige Barfüßerkloster zwischen Kanzleistraße und Lederstraße, heute Friedrich-List-Gymnasium.

Oberamteistraße mit Zunftbrunnen und Blick zum Heimatmuseum

In der unteren Wilhelmstraße gibt es zudem die Müllergalerie als Ansammlung von vielerlei Geschäften an einem Ort. Spaziert man wieder hinunter zur betriebsamen Eberhardstraße, geht es links zum Stadtbusbahnhof, rechts zum Hauptbahnhof. Vor ihm gibt es eine kleine Grünanlage mit der Statue von Friedrich List, dem Nationalökonomen, Eisenbahnpionier und großem Sohn der Stadt. Gegenüber befindet sich der Kronprinzenbau. Der moderne Zweckbau fügt sich gut in die Umgebung ein und wird von Geschäften, Gastronomie und Ärzten genutzt. Auf der anderen Seite, an der Einmündung zur Gartenstraße, ist schon seit Jahrzehnten ein großes Kaufhaus ansässig. Und hinter dem Kronprinzenbau befindet sich der regionale Busbahnhof. Hier fahren nur die Busse ins Umland, nicht aber die Stadtbusse.

Grünanlage vor dem Hauptbahnhof mit Kronprinzenbau und Kaufhaus

Sicherlich ist die Anbindung Reutlingens im Bereich Öffentlicher Nah- und Fernverkehr noch verbesserungswürdig. Über die Schiene bestehen allerdings schon recht gute Verbindungen: Am Hauptbahnhof halten seit einiger Zeit mehrere Intercitys. Ansonsten fahren Züge von und nach Tübingen und Stuttgart sowie Bad Urach, Balingen, Sigmaringen, Aulendorf und weiteren Orten auf diesen Strecken. Es verkehren auch Interregio-Züge ohne Zwischenhalt bis Stuttgart. Hinter dem Bahnhof hat ein großer deutscher Elektromarkt seinen Sitz. Parkplätze und Parkhäuser sind nicht weit entfernt.

 Obere Gerberstraße

Natürlich gibt es noch weitere historische Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt. Und mit der neuen Stadthalle gegenüber vom Tübinger Tor hat sich Reutlingen einen großartigen Konzert- und Veranstaltungsort geleistet. Es lohnt sich, auf Entdeckungstour zu gehen

Lage: 72764 Reutlingen. Parkmöglichkeiten rund um die Innenstadt (Lederstraße, Eberhardstraße) ausgeschildert.

Reutlinger kulinarische Spezialitäten

Besonders im Bereich der oberen Wilhelmstraße finden sich kleine Straßencafés und Konditoreien in gehäufter Anzahl. Diese verkaufen leckere Kuchen, Torten und Backwaren aus eigener Herstellung. Mit der Neugestaltung der Fußgängerzone entstanden lebendige Orte, wo es Spaß macht, sich hier aufzuhalten. Und weil Reutlingen im Schwabenland liegt, dürfen auch die regionalen Spezialitäten nicht fehlen. Brezeln müssen hier knusprig und gut gesalzen sein.

 Obere Wilhelmstraße

Ab Dezember gibt es die Mutscheln, das Reutlinger Traditionsgebäck. Der Teig ist mürb, das Aussehen ähnelt einem Stern mit runden Ecken, auf dem nochmal eine Art Kranz geflochten ist. Die Mutschel gibt es dann in allen Bäckereien und in verschiedenen Größen. Die extragroßen Varianten werden aber meist auf Vorbestellung gebacken. Zur Winterszeit sitzen die Schwaben nämlich gerne in den Wirtshäusern und spielen Würfel, und wer gewinnt, kriegt dann einen Teil der Mutschel. Um die Faschingszeit, hier Fasnet genannt, werden die Fasnetsküchle gebacken. Das ist eine süßer Teig, der in Öl ausgebacken wird. Ähnlich wie Berliner, aber ohne Marmelade.

Reutlinger Mutschel

Während allen Monaten kann man in den Reutlinger Bäckereien Kimmicher und Seelen kaufen. Kimmicher sind etwas große Brötchen, die eine feste Konstistenz haben und in denen viel Kümmel enthalten ist. Man schneidet sie im Allgemeinen in Scheiben. Seelen sind lang, vom Teig her ebenfalls recht fest und mit Kümmel und Salz bestreut. Beide müssen knusprig gebacken sein. Alteingesessene Gaststätten gibt es allerdings nicht mehr viele. Dafür haben  in der Reutlinger Innenstadt nun ganz unterschiedliche gastronomische Einflüsse Einzug gehalten, von denen einige bereits einen guten Ruf genießen.


Marktplatz mit Spital und Maximiliansbrunnen

An den Markttagen kommen Anbieter und Besucher aus der gesamten Umgebung auf den Reutlinger Marktplatz. Die Stände werden frühmorgens aufgebaut, und bald sind schon die ersten Kunden da, um die Zutaten fürs Mittagessen zu kaufen. Eine Besonderheit ist der Zwiebelkuchen, den es mit Speck, aber auch ohne gibt. Er wird dann auch gern zwischendurch, während dem Bummeln und lauwarm verspeist. Wer sich nicht festlegen möchte, kann montags bis samstags einen Besuch in der Reutlinger Markthalle machen. Sie befindet sich am Echazufer, vor den Toren der Altstadt. Hier handeln verschiedene Anbieter mit frischen Spezialitäten aus der Region und der ganzen Welt.

Alb-Gold Nudelcenter in Trochtelfingen

Nicht minder berühmt und beliebt sind die warmen Spezialitäten, die in der Region Reutlingen hergestellt werden. Dazu zählen die klassischen Spätzle genauso wie Knöpfle, eine etwas kleinere, aber sehr schmackhafte Form. Beide werden auch gerne überbacken und mit Röstzwiebeln angerichtet serviert. Dazu passt dann ein gemischter Salat mit allerlei Grünzeug, Kraut und Kartoffelsalat. Schwäbische Maultauschen werden nach wie vor bei Einheimischen und Besuchern gut angenommen. Auf Märkten, wie dem Reutlinger Weindorf im Herbst oder dem Reutlinger Weihnachtsmarkt, der sich über die gesamte Adventszeit zieht, sind heiße Schupfnudeln mit Sauerkraut immer ein Renner.

Franzosen in Reutlingen

Nach 1945 hatte die französische Armee in Reutlingen mehrere Stützpunkte: Die 1936 erbaute Hindenburg-Kaserne und die Ypern-Kaserne im Ringelbach, den Truppenübungsplatz am Listhof sowie weitere Nebengebäude über die Stadt verteilt. Die Soldaten und ihre Familien wurden mit der Zeit gut in das gesellschaftliche Leben integriert.

Ypern-Kaserne

Zwar gab es nach dem Zweiten Weltkrieg viele Vorbehalte, als Deutschland in Besatzungszonen aufgeteilt wurde und die Menschen sich einer fremden Herrschaft ausgesetzt sahen. Doch die Reutlinger Bevölkerung merkte, dass die Franzosen ihnen helfen würden. Und nach der Neugründung der Bundeswehr im Jahre 1955 erfolgte auch auf militärischem Gebiet eine gute Zusammenarbeit. Damit die Soldaten an freien Tagen schnell in ihre Heimat gelangen konnten, wurde für sie eine Fernbuslinie von Reutlingen über Tübingen, Freudenstadt und die Ortenau nach Straßburg im Elsass eingerichtet. Von dort hatten sie dann über die Bahn Anschluss in die Regionen Frankreichs.

 Hindenburg-Kaserne 1997

Einen weiteren Meilenstein setzten die Städtepartnerschaften. Seit 1958 zählt Roanne im Département Loire zu Reutlingens Partnerstädten. Darüber hinaus kam im Jahre 1970 die Stadt Bouaké in Frankreichs ehemaliger Kolonie Elfenbeinküste dazu. Zahlreiche weitere Gemeinden in Reutlingens Umland, wie Pfullingen mit Passy (seit 1985), Eningen mit Charlieu (seit 1968) und Metzingen mit Noyon (seit 1979), haben eine bis heute gut funktionierende Partnerschaft zwischen Deutschland und Frankreich. In regelmäßigen Abständen erfolgen gegenseitige Besuche durch Politiker, Vereine, anlässlich von Feiern oder im Rahmen eines Schüleraustauschs.

 Hindenburg-Kaserne 1997

1961 wurde in Reutlingen der Deutsch-Französische Club gegründet, der seit 1975 als Deutsch-Französische Gesellschaft fungiert und bis heute im interkulturellen Dialog engagiert ist. Tausende Menschen aus Reutlingen und Umgebung lernten Französisch an der Volkshochschule und an den Abendschulen. Auch als die letzten Soldaten 1992 Reutlingen verließen, blieben die Freundschaften weiterhin bestehen. Die European Business School in Reutlingen bietet in Zusammenarbeit mit der Reims Management School und der Universität Straßburg gemeinsame deutsch-französische Studiengänge an. Und gerade heute, im vereinigten Europa, sind Besuche für Menschen beider Länder kein Problem mehr.

 TGV am Stuttgarter Hauptbahnhof

Schon längst verkehrt ein TGV-Schnellzug zwischen Paris, Karlsruhe, Stuttgart und München. Reutlinger fahren gerne mit dem Bus für Tagesfahrten ins Elsass, um historische Städte wie Straßburg oder Colmar zu besuchen. Die Vogesen sind ebenfalls ein beliebtes Ausflugsziel, das sich mit seinen feinen Gasthäusern und Wandererlebnissen auch für Kurzurlaube eignet. Und im Gegenzug kommen Menschen aus Frankreich immer wieder gerne in die Region Neckar-Alb, beispielsweise um in Metzingen in den berühmten Outlets einzukaufen, und natürlich auch, um die landschaftlichen Schönheiten der Schwäbischen Alb zu entdecken.

Kasernen in Reutlingen

Die Infanteriekasernen im Reutlinger Ringelbachgebiet wurden 1936 eingeweiht. 1945 wurden sie von der französischen Armee beschlagnahmt und deren eigenen Zwecken zugeführt. Für die Jahrzehnte des Kaltes Krieges blieben französische Soldaten in Reutlingen und garantierten für Sicherheit in schwierigen Zeiten.

 Die Ypern-Kaserne zur Entstehungszeit

Ihr Domizil war zum einen die Ypern-Kaserne zwischen Ringelbachstraße und Hans-Reyhing-Straße. Diese ist auch noch erhalten und wurde zu herkömmlichen Wohnungen umgebaut. Das zweite Domizil der französischen Armee war zum anderen die Hindenburg-Kaserne, die sich zwischen Peter-Rosegger-Straße, Heinestraße und der Straße Unterm Georgenberg befand. Bis auf zwei Gebäude wurde hier nach der Jahrtausendwende alles abgerissen, und das Gelände überwiegend mit Einfamilien- und Reihenhäusern, aber auch Mehrfamilienhäusern neu bebaut.

Hindenburg-Kaserne 1997

Im Zentrum der Anlagen gab es einen großen Paradeplatz. Die Straßen waren in einer zur Entstehungszeit üblichen Plattenbauweise erstellt und teils auch für breitere Fahrzeuge geeignet. Die Behausungen bestanden aus mehrstöckigen Gebäuden, die in einem relativ einheitlichen Architekturstil ausgeführt wurden. Daneben gab es noch Baracken, kleinere Backsteingebäude und Schuppen, um das Material unterzubringen. Ein Truppenübungsplatz befand sich am Listhof an der Straße nach Gönningen.

Paradeplatz im Zentrum der Ypern-Kaserne

Auch in der Region waren die Franzosen präsent: Südbaden und große Teile Südwürttembergs unterstanden ihrer Kontrolle. In Tübingen waren sie in der ebenfalls Hindenburg-Kaserne genannten Einrichtung stationiert, in Münsingen teilten sie sich mit der Bundeswehr den Truppenübungsplatz. Ausgezeichnete Kontakte wurden aufgebaut, Städtepartnerschaften und Freundschaften entstanden. Das gegenseitige Interesse wuchs.

 Hindenburg-Kaserne 1997

1992 verließen die letzten französischen Soldaten Reutlingen. Und noch heute blickt man mit Stolz auf die guten Beziehungen. Menschen beider Länder haben gemerkt, dass sie Gemeinsamkeiten verbinden und keine Sprachbarriere sie zu trennen vermag.

 Hindenburg-Kaserne 1997

Hindenburg-Kaserne 1997

Hindenburg-Kaserne 1997

Hindenburg-Kaserne 1997