Stuttgart, Neues Schloss

Das von Herzog Carl erbaute Neue Schloss besteht aus Werksteinen und ist drei Stock hoch. Es handelt sich um ein Hauptgebäude mit zwei Flügeln. Seine gefällige Einfachheit würde noch weit schöner ins Auge fallen, wenn es etwas höher stände. Es liegt zwischen der König- und Konrad-Adenauer-Straße, zwischen der Planie und dem Schlossgarten. Das Gebäude bildet das nordöstliche Ende der Innenstadt und durch die Nähe des Alten Schlosses einen merkwürdigen Kontrast der Neuzeit zum Mittelalter. Schon im Jahr 1746 wurde der Grundstein vom Herzog selbst gelegt und unverzüglich mit dem Bau begonnen. Der Grundriss stammte von Oberbaurat und General Von Leger, der aber von den eigentlichen Erbauern, den Majoren Von Retti und Von Guepière, vielfache Veränderungen erfuhr. Im Jahr 1762 brannte der ganze rechte Flügel ab, und erst 30 Jahre danach war er wieder hergestellt.

Das Neue Schloss

Die Vorliebe für Ludwigsburg erwies sich dem Ausbau dieses Schlosses als sehr hinderlich. Und erst 60 Jahre später sollte es in den Jahren 1805 - 1807, unter der Regierung des Königs Friedrich, vom Baumeister Thouret vollendet werden. Es besteht aus dem Hauptgebäude mit der Front gegen den großen Paradeplatz und aus zwei Flügeln, die in einem rechten Winkel an den Hauptbau anstoßen und auf die Planie und den Schlossgarten hingehen. Am Eingang befanden sich ursprünglich Darstellungen laternentragender Kinder. Diese wurden ersetzt durch die in Wasseralfingen gegossenen und für das Königstor bestimmt gewesenen Schildhalter, ein Löwe und Hirsch, jeder 7000 Pfund schwer.

Statue am Schlosseingang

Zur Innenausstattung bevorzugte der württembergische Herrscher geschmackvolle Werke inländischer Künstler. Der Weiße Saal erhielt Gemäldegaben von Johann Baptist Seele, Philipp Friedrich von Hetsch und Christian Gottlieb Schick. Im sogenannten Konferenzzimmer hingen die Bildnisse von Peter I., Friedrich I. und Friedrich II. Im Thronzimmer befanden sich lauter Wappen, überall auch die kostbarsten Vasen, Uhren, Leuchter, Nischen, Spiegel und Marmor, Nachahmungen von Antiken, Basreliefs und Büsten - Danneckers lieblichen Amor, und seine Büsten nicht zu vergessen. Wächter lieferte drei historische Bilder, und ein angehender Schlachtenmaler, Schnitzer, das Gefecht von Epinal und die Schlacht von Brienne, an der dieser selbst teilgenommen hatte. Das sogenannte Militärzimmer wurde mit lauter Soldatenszenen von Seele ausgestattet. Im Großen Marmorsaal hingen sieben Kronleuchter. Der Rote, Weiße, Gelbe und Blaue Marmorsaal erhielt die reichsten Seidenstoffe und kostbarsten Tapeten. Die prachtvollen Stickereien rührten zum Teil von den kunstgewandten Händen der königlichen und fürstlichen Bewohnerinnen selbst her.

Seitenflügel mit Schildhalter in Form eines Löwen

Am meisten Interesse weckten bei Kunstkennern jedoch die Fresken berühmten Joseph Anton von Gegenbaur (1800 - 1876), die Szenen aus der württembergischen Geschichte darstellten. Dieser wurde von König Wilhelm beauftragt, mehrere Salons des Schlosses mit seinen Werken zu schmücken.

Das Neue Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört und danach wieder aufgebaut. Heute ist es Sitz des Finanz- und Kulturministeriums und kann im Rahmen von Sonderführungen besichtigt werden.

Sonniger Ruheplatz im Schlossgarten

Hinter dem Neuen Schloss lagen vormals die weitläufigen Akademiegebäude, die später als Nebengebäude des Hofes benutzt wurden. Hier besaß der König seine elegante Privatbibliothek mit vielen Prachtwerken. Daneben gab es auch einen Leibstall mit herrlichen Zuchthengsten. Der Haupthengst dieses Privatgestütes hatte den Namen „Sultan Mahmud“, den die Ebnersche Kunsthandlung wie einen Monarchen in Kupfer stechen ließ.