Geschichte von Reutlingen

Die Anfänge

Archäologische Grabfunde belegen frühe Siedlungsaktivitäten durch Kelten an der Achalm. Wenige Jahrhunderte nach Christi Geburt wanderten germanische Volksstämme, Alemannen genannt, in das Gebiet ein, das bis dahin unter römischer Kontrolle stand. Das heutige Reutlingen wurde wahrscheinlich auch von den Alemannen gegründet und befand sich beim Friedhof Unter den Linden. 1030 wurde der Bau der Burg Achalm durch Graf Egino begonnen und von seinem Bruder, Graf Rudolf, vollendet. 1089 tauchte Reutlingen erstmals urkundlich im Bempflinger Vertrag auf.

 Plateau auf dem Achalmgipfel

Das Mittelalter

1098 starben die Achalmgrafen im Mannesstamm aus, doch die Burg und ihr Machtgebiet blieben bestehen. Um 1180 bekam Reutlingen durch den Stauferkönig Friedrich Barbarossa das Marktrecht verliehen. Zwischen 1220 und 1240 wurde Reutlingen durch Friedrich II. zur Stadt erhoben und mit einer Befestigung ausgestattet, die heute nur noch am südlichen Ende der Wilhelmstraße und in Form des Tübinger Tors und Gartentors erhalten ist.

Katharinenstraße mit Tübinger Tor

1262 wurde Reutlingen durch den letzten Hohenstaufer Konradin an Württemberg verpfändet. 1343 trat die erste reichsstädtische Verfassung in Kraft. 1377 fand die Schlacht bei Reutlingen statt. Reutlingen dehnte sein Herrschaftsgebiet im 15. Jahrhundert auf einige Dörfer wie Wannweil, Ohmenhausen und Stockach aus.

Blick von der Achalm auf die Reutlinger Innenstadt

Neuzeit und Industrialisierung

Der Prediger Matthäus Alber (1495 bis 1570) reformierte die Kirche von Stadt und Umland. 1726 war Reutlingen durch einen verheerenden Stadtbrand betroffen, der vier Fünftel der Gebäude zerstörte und 1200 Familien obdachlos machte. 1806 kam Reutlingen erneut an Württemberg und wurde 1818 Sitz des Schwarzwaldkreises. Durch die Industrialisierung entstanden in Reutlingen viele große Fabriken. Die Eisenbahnanbindung wurde durch den Ökonomen Friedrich List realisiert. So wurde Reutlingen wohlhabend und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bezeichnend als "Stadt der Millionäre" tituliert.

 Der Hauptbahnhof, entstanden im 19. Jahrhundert

Das 20. Jahrhundert

1907 wurde Betzingen als erster Stadtteil eingemeindet, 1939 Sondelfingen. Schwer zerstört durch den Zweiten Weltkrieg, folgte kurz danach der Wiederaufbau, der teils originalgetreu, sich oft auch auf moderne Art gestaltete. Viele Flüchtlinge prägten Reutlingen in dieser Zeit, und Wohnraum musste geschaffen werden. 1949 kam mit Ohmenhausen ein dritter Stadtteil hinzu.

Blick vom Marktplatz in die obere Wilhelmstraße

Im Zuge des allgemeinen Wirtschaftsaufschwungs nahm die Bevölkerung stetig zu, auch durch die Eingemeindung neun weiterer Orte von 1971 bis 1975. Im Jahre 1988 betrug die Einwohnerzahl erstmals 100.000, und damit war die Grenze zur Großstadt überschritten.