Rottenburg am Neckar

Das Stadtgebiet von Rottenburg am Neckar fügt sich in die Landschaft zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb ein. In der Kernstadt und umliegenden Dörfern leben gut 40.000 Menschen. Die Kreisstadt Tübingen ist etwa 12 Kilometer entfernt. In der Umgebung liegt das ausgedehnte Waldgebiet Rammert. Nur unweit befinden sich mit dem Schönbuch und dem Hecken- und Schlehengäu noch zwei andere bedeutende Naturreservate.

Fachwerkpartie am Neckarufer

Bei einem Stadtrundgang erhält der Besucher einen Einblick in die über zweitausendjährige Geschichte von Rottenburg. Es gibt die Möglichkeit, dies auf eigene Faust zu tun, oder an einer Führung teilzunehmen. Solche werden monatlich einmal in der Kernstadt, und einmal in den Stadtteilen angeboten. Die Touristinformation befindet sich am Marktplatz, hier erhält der Gast auch weitere Auskünfte und kann Führungen für größere Gruppen buchen. Wer all die herausragenden Bauten, die historischen Orte besucht und einen Einblick in die abwechslungsreiche Vergangenheit bekommt, wird gerne wiederkommen.

Partie am Domplatz

Rottenburg ist mehr als eine romantische Stadt am Neckar, sie ist der Sitz eines Bischofs und hat daher auch einen Dom. Diesen umgibt der hübsche Marktplatz mit dem barocken Rathaus von 1735. Steht man davor, spürt man förmlich die beschwingte Atmosphäre, die von diesem Bauwerk ausgeht. Tatsächlich weist es einen Stil auf, der für das ehemalige Vorderösterreich typisch ist. Rottenburg gehörte vom 14. Jahrhundert bis zum Zeitalter Napoleons den Habsburgern. Der Baumeister Johann Felder stammte aus dem Bregenzerwald. Und in der ganzen Stadt findet man heute noch Spuren, die an diese große Epoche erinnern.

Das barocke Rathaus

Direkt daneben steht der Dom Sankt Martin. Die gotische Kirche wurde im 15. Jahrhundert errichtet und nach einem Stadtbrand um die Mitte des 17. Jahrhunderts im Barockstil erneuert. Der Turm ist bis heute am ursprünglichsten erhalten und weist in seinem unteren Teil noch mittelalterliche Bauelemente auf. Mit den Domglocken wird mehrmals täglich ein harmonisches Geläut dargeboten. In den Seitenstraßen finden sich viele sehenswerte Stadthäuser vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Zum Neckar hin läuft der Besucher an Resten der alten Stadtmauer entlang.

Dom Sankt Martin

Am Rande der Altstadt befindet sich eine alte römische Badetherme, die mit einem höchst lohnenden Museum überbaut ist. Der Fund der antiken Stätte mit ihrer gut erhaltenen Toilettenanlage bildete die Inspiration für das römische Sumelocenna-Museum der Stadt Rottenburg am Neckar. Das Angebot reicht von Modellen, Rekonstruktionen und Vorführungen bis zu zahlreichen römischen Funden.

Sorgsam geschützt, aber keineswegs distanziert, kann sich der Besucher eine Auswahl von Keramik, Spielsteinen, Metallartefakten, Mosaiken und Statuen ansehen. Führungen sind variabel und auch für Kleinstgruppen erhältlich. Eine Ton-Bild-Schau, die auch in englischer und französischer Sprache aufbereitet ist, gibt einen Einblick in das römische Leben dieser Region. Darüber hinaus werden museumspädagogische Aktivitäten für Schüler und Interessierte angeboten. In unmittelbarer Nähe des Museums gibt es ein Parkhaus.

Geschichtlicher Rundgang vor dem Museum

Kloster Weggental

Nordwestlich der Altstadt lädt das Kloster Weggental zur Andacht und Besichtigung. Es ist ein Geheimtipp unter den schwäbischen Klöstern, aber mit ganz besonderer Atmosphäre. Man gelangt hierher über die Weggentalstraße, die vom Kreisverkehr beim Sumelocenna-Museum abzweigt. Schon auf dem Weg zur Anlage können eine Reihe von Bildstöcken bewundert werden. In diesem kirchenhistorischen Schatz liegen auch die Anfänge von Weggental, denn ein Bildstock war es, dem hier im 15. Jahrhundert eine besondere Verehrung zuteil wurde.

Wallfahrtskirche Weggental

Nach dem Bau einer Kapelle im 16. Jahrhundert entstand die heutige Wallfahrtskirche von 1682 bis 1695. In der Barockzeit wurde sie mit zahlreichen Preziosen ausgestattet, die noch heute eine hohe kirchenhistorische Bedeutung haben. In den Nischen der Kirche stehen schwarzgoldene Altäre mit Gemälden, auf denen Szenen aus der Bibel dargestellt sind. Überaus sehenswert sind auch die sakralen Skulpturen und die Verzierungen an den Säulen des Schiffes. Im Außenbereich befindet sich eine offene Marienkapelle, wo Besucher ein Teelicht entzünden können.

Weggentaler Altar

Wurmlinger Kapelle

Von Tübingen erstreckt sich in Richtung Rottenburg ein Bergrücken, auf dessen westlichstem Ausläufer die Wurmlinger Kapelle steht. Sie ist nicht nur ein magischer Anziehungspunkt für Katholiken, sondern auch ein beliebtes Ausflugsziel für Familien. Ludwig Uhland widmete ihr das Lied "Hoch oben stehet die Kapelle".

Neben der Kirche im Ortskern stehen zwei sehenswerte Kreuze mit Inri. Nicht sehr weit davon führt ein Weg den Berg hinauf. Hier kann der Besucher die ersten Bildstöcke und Kreuze bewundern. Die Zahl nimmt auf der weiteren Strecke zu. Auf einigen sind Jahreszahlen wie 1821 zu lesen, viele enthalten Marienabbildungen und ähnliches. Etwa auf der Mitte des Spitzberges angekommen, sieht man schon die ersten mit Wein bewachsenen Hänge. Weitere Wege laden ein, den Berg ausführlich zu erkunden. Verlockend ist es, erst einmal die dortige Aussicht auf sich wirken zu lassen. Das Neckartal mit Tübingen liegt zur linken und Rottenburg zur rechten Hand, davor befinden sich die Hirschauer Baggerseen und dahinter die blaue Mauer der Schwäbischen Alb.

Blick von der Kapelle nach Rottenburg

Fast oben angekommen, sieht man zur anderen Seite in das Tal hinab und erkennt in der Ferne die Stadt Herrenberg, den Schwarzwald und in der Nähe Teile der Stadt Tübingen. Hier steht auch schon die prächtige Wurmlinger Kapelle. Die Außenmauern beschützen sie wie ein Schmuckgewand. Draußen ist ein Schild mit Ludwig Uhlands Lied angebracht. Den Hof der Kapelle betritt man durch ein altes Tor und über eine kleine Treppe. Zugleich befindet sich hier der Friedhof der Wurmlinger. An Sonntagen zur warmen Jahreszeit ist die Kapelle geöffnet.

Die Wurmlinger Kapelle

Bevor man den Rückweg antritt, wäre es die Überlegung wert, wo man weitergehen will. Ringsherum gibt es schöne Wacholderheiden und einen kleinen Freizeitplatz.
Ebenso ließe sich der Weg durch die Weinberge oder nach Hirschau hinunter empfehlen.

Durch das Neckartal


Von Rottenburg zieht sich die Schwäbische Dichterstraße durch das enge Neckartal. Ein Halt empfiehlt sich in Bieringen. In einem malerischen Ambiente gibt es einen sehr guten Gasthof, wo man auch im Freien speisen kann. Die ländlichen Gebäude des Dorfkerns bezaubern nicht selten durch ihr Fachwerk, und den Höhepunkt setzt die Kirche St. Peter und Paul. Den Hintergrund für den Altar bilden Malereien, die Jesus Christus und eine Schar von Engeln zeigen. Das Dach darüber besteht aus einer Rippenwölbung und ist mit goldenen Mustern verziert.

St. Peter und Paul in Bieringen

Schloss Weitenburg

Von Bieringen aus bietet sich die Besichtigung des Schloss Weitenburg an. Es liegt zwischen Börstingen und Sulzau auf dem Gebiet der Gemeinde Starzach. 1720 kaufte Freiherr Rupert Rassler von Gamerschwang das Schloss, dessen Nachkommen es bis heute besitzen. Die Anlage ist von einem gepflegten Garten umgeben. Eine alte Kapelle beeindruckt mit ihrem Holzaltar, der mit bunt bemalten sakralen Figuren geschmückt ist. Außer dem Besuch des höchst sehenswerten Innenhofes und der Nebengebäude lohnt sich die Einkehr im Restaurant. Die Terrasse bietet eine grandiose Aussicht ins Neckartal.

Schloss Weitenburg

Heuberger Warte

Der auf einer Höhe von 484 Metern ü. NN. gelegene Heuberg mit der Heuberger Warte befindet sich auf halber Strecke zwischen Rottenburg und Seebronn. Der Aussichtsturm wurde bereits 1422 von den Reichsstädten erbaut. Zugänglich ist er mit einem Schlüssel, den es bei der Touristinformation Rottenburg gibt. Von hier oben, aber auch vom ganzen Umland genießt man herrliche Panoramen auf Schwäbische Alb, Oberes Gäu und den Schwarzwald.

Heuberger Warte von den Feldern bei Remmingsheim gesehen

Synagoge Baisingen

In dem Stadtteil von Rottenburg, rund 15 Kilometer westlich der Kernstadt gelegen, lebten Juden seit dem 16. Jahrhundert. 1784 erbaute die jüdische Gemeinde ein Gotteshaus in einer kleinen Gasse. Die vollständige Zerstörung in der Reichsprogromnacht konnte verhindert werden, weil Wohnhäuser angrenzten. Jedoch wurde der Innenraum verwüstet. In der Folge als Scheune genutzt, befindet sich hier mittlerweile eine Gedenkstätte. Besuchern werden Führungen und Filme angeboten, auf der ehemaligen Frauenempore gibt es eine Ausstellung und der Sternenhimmel an der Decke ist vorbildlich restauriert.

Die Synagoge

Jüdischer Friedhof

Darüber hinaus liegt knapp außerhalb des Ortes noch der jüdische Friedhof mit beeindruckenden Grabmalen. Die ältesten von ihnen sind schon halb verwittert und weisen hebräische Inschriften auf. Während auf einem Teil die Stelen wild umrankt sind und sich selbst überlassen scheinen, erscheint ein anderer Teil gepflegt. Die Hecken werden geschnitten, der Rasen gemäht, und es finden sich sogar Gräber aus den letzten Jahren. Ein Verein kümmert sich um die Erhaltung.

Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof

Wie so oft, hat der Stein eine ganz besondere Symbolkraft. Jeder Besucher, der einen Stein hinterlässt, erweist so dem Verstorbenen die letzte Ehre. Der Friedhof liegt auf einer Anhöhe über dem Dorf, mit herrlicher Aussicht auf die Umgebung und zur Schwäbischen Alb.