Hechingen

Die Zollernstadt Hechingen liegt etwa 60 km südlich von Stuttgart entfernt. Die Kernstadt und acht Stadtteile haben zusammen etwa 19.500 Einwohner, die sich auf einer Fläche von 66,4 qkm verteilen. Die Höhe beträgt 528 m ü.NN. Früher war Hechingen die Residenzstadt des Fürstentums Hechingen-Hohenzollern. Bis 1973 hatte es den Status einer Kreisstadt und ist heute ein Mittelzentrum für das Umland. Die Stadt liegt in einer hügeligen Landschaft am Rande der Schwäbischen Alb, nicht weit weg von Neckarraum und Schwarzwald. Auch die Oberzentren Reutlingen und Tübingen spielen eine Rolle für die Wirtschaft Hechingens, sie sind 28 km bzw. 24 km entfernt.

Die Hohenzollerischen Lande, vom Ortsteil Sickingen aus

Von Römern, Alemannen und Preußen

Beim Ausbau der Bundesstraße B 27 fand man Hinweise auf eine erste Besiedlung der Hechinger Gegend um 1.500 v.Chr. Auch den Römern gefiel es in Hechingen. 1973 entdeckte man die ersten Reste eines Gutshofes nahe des Stadtteils Stein. Mit der Zeit wurde immer mehr ausgegraben, die Villa restauriert und schließlich der Öffentlichkeit als Freilichtmuseum zugänglich gemacht. Später übernahmen die Alemannen das Land, und gründeten die Stadt, worauf die typische -ingen - Endung hinweist.

Im Mittelalter waren die Bürger dem Herzogtum Schwaben zugehörig, und hier liegen auch die Anfänge der Zollerburg, auf der im 11. Jahrhundert bereits mächtige Grafen hausten. Hechingen liegt an einer uralten Straße, die bereits zu Römerzeiten existierte. Sie verbindet den Mittleren Neckarraum mit dem Übergang zum Schwarzwald bei Rottweil, danach weiter zum Hochrhein und zu den Alpenpässen. Auch im Mittelalter wurde die Straße genutzt und verschaffte Hechingen als Anliegerort einen gewissen Wohlstand.

Hechinger Marktplatz

Hier wohnten vor allem Katholiken, aber später auch einige jüdische Bürger. Bis heute zeichnet die B 27 ungefähr die alte Handelsroute nach, obgleich sie sich an manchen Stellen von den originalen Standorten wegentfernt. Durch eine Erbteilung 1567 entstand die Grafschaft von Hohenzollern-Hechingen sowie die von Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Haigerloch.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg führte man das Fürstentum ein. Als Fürst Konstantin in Folge der Märzrevolution 1848 das Zepter nicht annahm, kamen die drei katholischen Fürstentümer vereinigt an das protestantische Königreich Preußen. Hechingen war Oberamtsstadt, die Provinzhauptstadt wurde aber das an der Donau gelegene Sigmaringen. Die Hauptstadt des Staates war fortan Berlin. So finden sich auch heute noch viele Merkmale in Hechingen, die eher an preußische Tradition als an schwäbisches Brauchtum erinnern.

Die Schulstraße

Und doch ist es hier gelungen, beide Elemente auf einmalige Art und Weise zu verknüpfen. Der schwäbische Menschenschlag prägt das Zusammenleben. Doch nicht wie früher, wird die Zusammengehörigkeit durch die Religion bestimmt. Zwar sind mit 52 % immer noch die Mehrheit der Menschen katholisch, dazu sind 25 % heute evangelisch. 23 % sind konfessionslos oder gehören anderen Religionen an, zum Beispiel dem Islam, der im Norden der Stadt einen Moscheeneubau erstellt hat.

Hechingen erleben

Wer in Hechingen weilt, kann eine Menge entdecken und sich sein Programm nach Belieben zusammenstellen. Es gibt eine gut erhaltene, historische Altstadt mit zwei Stadtschlössern und der Fürstenvilla Eugenia. Nicht zuletzt ist Hechingen bekannt aufgrund seiner Bedeutung als hohenzollerische Residenz. Und was kommt dem Besucher da nicht sofort in den Sinn ? Eine Burg, die mit ihrer Bedeutung und Schönheit fast zu einem stellvertretenden Symbol für die Schwäbische Alb geworden ist.

Burg Hohenzollern, die preußische Residenz

Burg Hohenzollern

Jenes Bauwerk ist es, das Besucher aus Deutschland, Europa und der fernen Welt immer wieder auf´s Neue begeistern mag. Schon im 11. Jahrhundert hausten auf dem 855 Meter hohen Zollerberg die gleichnamigen Grafen. 1744 wurde das alte Gemäuer nach einem Krieg kampflos den Franzosen übergeben und verfiel daraufhin. 1850 wurde der Grundstein für eine beispiellose Anlage der Neugotik im deutschen Sprachraum gelegt, 1867 vollendete man die Burg. Sie war Stammburg der deutschen Kaiser und der preußischen Könige, und die Nachkommen sind noch heute die Besitzer. Sie zählt zu den schönsten und meist besuchten Burgen Europas. Die Anlage ist ganzjährig geöffnet, es finden regelmäßige Führungen statt.

Am Fuße der Burg kann man sehr gut im Restaurant Hofgut Domäne speisen. Es gehört zum Hotel Brielhof und befindet sich in der Nähe der B 27, an der Ausfahrt zur Burg. Neben der Gaststätte gibt es noch einen Biergarten und einen mexikanischen Bereich mit Live-Musik und Spezialitäten. Das Lokal ist zudem für Kinder, größere Gruppen und Ausflugsbusse geeignet.

Eingang zur Altstadt mit der Pfarrkirche Sankt Jakobus

Bummeln durch die Altstadt

Die Altstadt Hechingens hat eine gewisse Größe und daher auch einen repäsentativen Charakter. Trotzdem wirkt sie keinesfalls geplant, sondern weist viele kleine Gassen und alte Wohngebäude mit einem Eigenleben auf.

Gleich am Eingang zur Oberstadt fällt die Pfarrkirche Sankt Jakobus ins Auge. Die Stiftskirche wurde von 1780 bis 1783 im Stil des frühen Klassizismus nach den Plänen von Pierre Michel d'Ixnard erbaut. Der Architekt wurde in Nîmes geboren und in Paris und Italien ausgebildet. Das Kirchenschiff wird mit einem halbrunden Chor abgeschlossen und von einem Westturm überragt. Sehenswürdigkeiten sind die Deckengemälde im Chor, Schiff und in den Seitenkapellen. Große barocke Figuren dienen als Ergänzung des Gesamtbildes. Verlässt man die Kirchpartie, steht man schon auf dem Marktplatz. Hier finden sich viele sehenswerte Stadthäuser. Dazu gehören nicht nur einige Fachwerkhäuser, sondern auch das Rathaus und der 1994 bis 1998 von dem Bildhauer Dr. Klaus Ringwald gestaltete Rathausbrunnen. In den Erdgeschossen sind meist Geschäfte und gute Gastronomien untergebracht. Der Marktplatz ist ein guter Ausgangspunkt für weitere Entdeckungen, wie etwa in die Unterstadt, zu den Schlössern oder zur Alten Synagoge.

Läuft man vom Marktplatz die Treppen links herab, kann man schon den Unteren Turm sehen. Er ist das einzig erhaltene Stadttor Hechingens und befindet sich in der Nähe der Schlösser. Er wurde um 1579 von Graf Eitel Friedrich IV. erbaut und ist bis heute prägend für das Stadtbild. Der rot umrandete Durchgang markiert die Grenze des alten Hechingens. In diesem befinden sich die Wappen der Zollern.

Die ehemalige Kinderbewahranstalt

Ein sehr bemerkenswerter Komplex sind die Gebäude des Amtsgerichts Hechingen. Die Anlage besteht aus der Kinderbewahranstalt der Fürstin Eugenie von 1839, in der Elemente des Klassizismus und früher Elemente der Neorenaissance einfließen. Davor steht die Büste der Stifterin mit einer Dankesinschrift. Das Hauptgebäude wurde 1876 als hohenzollerisch-preußisches Landgericht erbaut. Nebenan befindet sich das Gefängnis.

Eine der weiteren Kirchen findet man in der Oberstadt mit der Johanneskirche. Sie wurde 1857 geweiht und war die erste evangelische Kirche der Provinz Hohenzollern. Da Preußen, zu dem Hechingen gehörte, ein protestantischer Staat war, beteiligte sich an der Ausstattung auch maßgeblich das Königshaus. Der Klinkerbau ist typisch für den preußischen Baustil damaliger Zeit.

Am Rande der Altstadt und gegenüber dieser Kirche befindet sich mit dem Fürstengarten ein sehr schöner Park. Hier steht die Villa Eugenia der Fürsten von Hohenzollern-Hechingen. Die Grünanlage wurde mit dieser im Stil eines englischen Landschaftsgartens vereinigt. Im Umfeld der schlossähnlichen Villa befinden sich Spazierwege, Blumenbeete und Bäume. Des Weiteren findet der Besucher dort das "Weiße Häuschen", in dem Ausstellungen veranstaltet werden, und einen Gedenkstein für Friedrich Wilhelm von Steuben.

Unterer Turm und Altes Schloss

Schlösser in Hechingen

Im Alten Schloss ist das Hohenzollerische Landesmuseum untergebracht. Hier findet der Besucher die Dauerausstellung mit Dokumentation der Geschichte und Kunstgeschichte des Landes Hohenzollern. Diese führt durch alle Zeiten, angefangen mit einem bronzezeitlichen Grab um 1.000 v.Chr. bis in die preußische Epoche der Region. Gegenüber steht das von 1818 bis 1819 im klassizistischen Stil unter den Fürsten von Hohenzollern-Hechingen errichtete Neue Schloss. Es hat drei Flügel und wurde ursprünglich größer geplant, aber nie ganz vollendet, da die finanziellen Mittel fehlten. Im Fürstengarten befindet sich die Villa Eugenia, ein frühklassizistischer fürstlicher Bau aus dem Jahre 1786. Sie war ein Treffpunkt preußischen und internationalen Hoflebens. Seit 1995 wurde sie umfassend saniert und ist heute ein Ort der Kunst, Kultur und Tagungszentrum.

Das Neue Schloss

Römisches Hechingen

Nahe des Stadtteils Stein führt eine Abzweigung zum Römischen Freilichtmuseum Villa Rustica. Im Jahre 1973 entdeckte der Bürgermeister der Gemeinde Stein die Mauern eines römischen Gutshofes im Wald in der Nähe des Ortes. Seit 1978 wurde wiederholt dort ausgegraben, bis schließlich feststand, dass man es hier mit einem großen Fund zu tun hatte. Es ist einer der bedeutendsten Gutshöfe nördlich der Alpen und steht seit 1991 der Öffentlichkeit zur Verfügung. Der Besucher kann hier die rekonstruierte Portikusvilla besichtigen, aber auch die sanitären Anlagen und weitere Entdeckungen wie das Mühlengebäude. Seit der Jahrtausendwende wurde der umliegende Wald gerodet, und darin machte man weitere Funde, die die Größe der Anlage erahnen lassen.

Die Villa Rustica bei Hechingen-Stein

Jüdisches Hechingen

Bereits 1490 wird ein jüdischer Einwohner in Hechingen erwähnt. Der Graf von Hohenzollern verkaufte den Juden 1540 10 Häuser an der Stadtmauer. Seit 1546 gab es auch eine eigene Synagoge, doch schon 1592 kam es zur Vertreibung. Nach dem Dreißigjährigen Krieg entwickelte sich wieder ein jüdisches Leben in Hechingen. Die Alte Synagoge wurde 1767 erbaut. Die jüdische Gemeinde vergrößerte sie von 1850 bis 1852 und versah sie 1881 mit einer neoklassizistischen Fassade. In der Reichsprogromnacht wurde die Hechinger Synagoge zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg erkannte man die Wichtigkeit des Gebäudes, und restaurierte es ab 1983. Seit 1986 dient die Synagoge als Erinnerungs- und Begegnungsstätte. Da sich mit dem Zuzug russischer Juden erneut eine eigenständige Gemeinde entwickelte, wird die Synagoge seit 2003 auch wieder als Gotteshaus genutzt.

Blick zur Hechinger Synagoge

Der Jüdische Friedhof wurde 1761 angelegt. Bis heute finden sich hier 650 Gräber. In jüdischer Tradition belässt man diese. Deshalb gibt es viele uralte Grabstelen mit hebräischen Inschriften. Besonders sehenswert ist auch die Friedhofshalle. Das Gelände kann nach Absprache mit der jüdischen Gemeinde oder der Touristinformation besichtigt werden. Es ist erreichbar über die erste Abzweigung im Industriegebiet an der Straße von Hechingen nach Bodelshausen.

Zu den jüdischen Familien, die in Hechingen lebten, zählten auch die Einsteins. Elsa Einstein wurde 1876 in der Schlossstraße 16 geboren und war die Cousine und zweite Ehefrau von Albert Einstein. Das Geburtshaus ist bis heute erhalten, gerne wird hier im Rahmen von Stadtführungen ein Zwischenhalt eingelegt.

Auf der linken Seite das geräumige Wohnhaus
der Familie Einstein


Geführt zu Stätten und Sehenswürdigkeiten

Wer gerne mehr Informationen über Hechingen hat, oder einfach etwas Besonderes erleben möchte, sollte eine der Stadtführungen besuchen. Sie werden vom Städtischen Bürger- und Tourismusbüro rund um das Jahr durchgeführt. Wer an einer Führung teilnimmt, kann zum Beispiel die Klosterkirche Sankt Luzen, den Schloßplatz, Natur und Landschaft, Sagen und Anekdoten, das musikalische oder das jüdische Hechingen besser kennenlernen. Natürlich ist auch eine Vielzahl an Gruppenführungen auf Voranmeldung buchbar.

Gut übernachten in Hechingen

Gastfreundlichkeit wird in den hohenzollerischen Landen und besonders in Hechingen groß geschrieben. Nicht umsonst war es eine Residenzstadt, und so waren Besucher aus der Fremde schon immer willkommen. Hier wird schwäbische Gemütlichkeit mit preußischer Ordnungsliebe kombiniert.

Reichlich Grün lockert den Hechinger Stadtkern auf

Genau zwischen dem Stadtkern von Hechingen und der Burg Hohenzollern befindet sich das Hotel Brielhof. Es bietet eine weithin bekannte Gastronomie, die für große Gruppen geeignet ist, und alle möglichen Annehmlichkeiten für einen Aufenthalt. Auch Haustiere sind erlaubt. Inmitten der historischen Altstadt ist das Hotel Klaiber gelegen. Es hat 27 Zimmer mit 35 Betten und verfügt über ein Restaurant und ein Café mit Konditorei. In den Räumen über dem Luxor Tempel Restaurant befindet sich mit dem Hotel Falken eine weitere Unterkunft. Das Bildungshaus St. Luzen war früher ein Franziskanerkloster - heute gehört es der Erzdiözese Freiburg und bietet Menschen einen Erholungsraum, um sich eine Auszeit vom Alltag zu verschaffen. Hier werden Kurse, Seminare und Treffen kirchlicher und anderer Gruppen, aber auch einzelne Gäste sind herzlich willkommen und finden dort auf Wunsch auch seelsorglichen Rat. Im Stadtteil Stein findet man den Gasthof Lamm. Hier ist man nicht weit entfernt vom römischen Freilichtmuseum. Der Gasthof Löwen ist in Hechingen-Boll. Er befindet sich seit 1780 in Familienbesitz und liegt am Fuße der Burg Hohenzollern.

Will man am liebsten seinen Urlaub ganz individuell gestalten, aber auch schnell in Hechingen sein, dann sind die Feriendörfer der Umgebung ein bevorzugtes Ziel. Zum einen gibt es das Feriendorf Tieringen, welches 25 km entfernt ist. Es garantiert familienfreundliche Ferien und bietet Freizeitgestaltung, Aktionen und Seminare auch für große Gruppen. Zum anderen liegt in 27 km Entfernung das Feriendorf Sonnenmatte in Sonnenbühl-Erpfingen. Es bietet ein Restaurant, Billard, Volleyball und Fahrrad-Verleih. In der Nachbarschaft sind mit der Jugendherberge und dem Azur Rosencamping zwei weitere Urlaubsangebote zu finden, die gut mit einem Besuch in Hechingen kombinierbar sind.

Die Villa Eugenia ist wieder ein Zentrum der Kultur

Tradition bewahren und schätzen

Hechingen bietet dem Besucher als drittgrößte Stadt im Zollernalbkreis eine attraktive Mischung aus Geschichte, Kultur und Sehenswürdigkeiten. Der Ruf als Residenzstadt der Hohenzollern hat sich bis heute bewahrt, und da man sich hier auch darum bemüht, kümmert man sich gerne um den Gast. Ob bei einem Museumsbesuch, einer Führung durch die Stadt oder einem Rundgang durch die preußische Geschichte - man wird von Hechingen nie genug sehen können. Wann immer man hierher kommt, immer werden sich neue Eindrücke ergeben. Selbst der Blick von den Zinnen der Burg Hohenzollern wird in jeder Jahreszeit anders sein, und genau das fasziniert die Besucher aus nah und fern.