Buttenhausen

An der Stelle des kleinen Ortes treffen sich die Straßen aus Gomadingen und Münsingen. Buttenhausen liegt im Großen Lautertal, umgeben von der rauen Hochfläche der Schwäbischen Alb, und ist heute ein Stadtteil von Münsingen. Die Entfernung dahin beträgt 10 Kilometer, in die Kreisstadt Reutlingen sind es 35 Kilometer.

Blick vom Wiesengrund auf Buttenhausen

Zu den Aspekten, die dem Ort eine hohe Authentizität verleihen, zählt auch seine abwechslungsreiche Geschichte. 1787 wurde es anfangs 25 jüdischen Familien erlaubt, sich hier anzusiedeln. Mit der Zeit wuchs die jüdische Gemeinde und bis zur Weltkriegszeit fand man hier, in der Nachbarschaft von Einrichtungen der christlichen Bewohner, auch eine jüdische Schule, eine Synagoge und ein Rabbinat. An die Vergangenheit von Buttenhausen erinnert heute ein ausgeschilderter Rundgang.

Mühlsteige mit Rabbinat (linke Bildmitte)

Der Rundgang wurde 1996 eingerichtet und führt den Besucher zu den Orten jüdischer und christlicher Bewohner. Der Besucher kann diese auf eigene Faust erkunden oder an den regelmäßigen Führungen teilnehmen. Näheres dazu ist zum Beispiel der lokalen Tagespresse entnehmbar. Der Rundgang ist verbunden mit der langen Geschichte des Judentums in Buttenhausen und erinnert an bekannte Namen wie etwa Matthias Erzberger, Theodor Rothschild oder Lehmann Bernheimer. Hierbei kommt man an den Gebäuden ehemaliger bedeutender Bewohner vorbei, an denen Informationstafeln angebracht sind. So handelt es sich um die kleine Realschule, die heute ein Museum beherbergt, den einstigen Versammlungssaal der jüdischen Bevölkerung, den Synagogenplatz und den jüdischen Friedhof mit seinen Grabsteinen mit hebräischer Inschrift. Der Rundgang dauert etwa eine Stunde.

Ehrenmal für die Opfer der NS-Zeit

Das Ehrenmal an der Schnittstelle der Wasserstetter Straße / Zwiefalter Straße / Heimtalstraße ist ein beliebter Ausgangspunkt für Touren durch Buttenhausen. Er erinnert an jene Bewohner, die als Opfer nationalsozialistischer Verfolgung ihr Leben lassen mussten. Eine Stele enthält die Gedenkinschrift, auf zwei weiteren sind deren Namen zu lesen. Es ist ein Ort der stillen Einkehr und bleibende Mahnung.

In der Bernheimer`schen Realschule ist ein sehr empfehlenswertes Museum untergebracht. Dort findet man Wissenswertes über das Zusammenleben von Christen und Juden. Dokumentiert wird auch die bewegte Zeit, in der viele Buttenhäuser Juden nach Amerika auswanderten und so ihr Leben retteten. Aber auch die Geschichte von denen, die bis zuletzt blieben und deportiert wurden, wird nicht verschwiegen.

Haus Löwenthal, Wohnsitz eines jüdischen Pferdehändlers und Gemeinderats, heute durch das Landheim Buttenhausen genutzt

Der Rundgang führt weiter durch den Ort, auf dessen westlicher Seite die Juden wohnten. An den ehemaligen Häusern jüdischer Mitbürger sind flächendeckend Schautafeln angebracht. Über die Mühlsteige erreicht man die Matthias-Erzberger-Gedenkstätte, vor der eine Infostele mit dem Abbild des Politikers der Weimarer Zeit steht. Das Museum dokumentiert seine Lebensgeschichte, unterstützt von Ton- und Filmaufnahmen.

An den Standort der alten Synagoge erinnert ein Gedenkstein mit der Abbildung von Menora und Davidstern. Das Bauwerk wurde mitsamt einem Großteil des Inventars in der NS-Zeit zerstört.

Matthias-Erzberger-Gedenkstätte

Im Jahre 1789 wurde der jüdische Friedhof eröffnet. Beinahe aus der gesamten Zeit der jüdischen Besiedlung finden sich hier Gräber. Die ältesten Stelen verfügen noch über hebräische Inschriften. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts finden sich auch Grabsteine in lateinischer Inschrift. In der NS-Zeit wurde der Friedhof zerstört und ab 1967 wieder hergerichtet. Zum Gedenken wurde eine Säule erstellt, auf der die jüdischen Besucher in alter Tradition gerne einen Stein ablegen. Der Friedhof ist tagsüber durchgehend geöffnet. Vom Friedhof hat man einen schönen Blick auf den Ort.

Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof

Auf der anderen Dorfseite steht seit jeher die Michaelskirche. Ein erster Bau ist für das 13. Jahrhundert belegt. Der Turm ist der erhaltene Rest, das neugotische Langschiff wurde im 19. Jahrhundert erbaut. Im Altarraum fallen große buntverglaste Fenster auf. Auf dem oberhalb gelegenen Friedhof befinden sich Reste einer alten Burg. Die Kirchengemeinde betreut auch die evangelischen Christen in Apfelstetten.

Der traditionsreiche Gasthof Adler mit der Michaelskirche

Die Burg Buttenhausen ist eine Burgstelle auf dem Gelände des Friedhofs oberhalb der Michaelskirche. Sie wurde Ende des 14. Jahrhunderts erstmals erwähnt und wechselte mehrfach den Besitzer. Nach 1800 verkam die Burg mitsamt ihren Stallungen. Jedoch wurden verschiedene Bereiche und der Fruchtkasten noch genutzt. Später riss man die Gebäude ab und errichtete hier den Neuen Friedhof. Erhalten ist bis heute die Terrassierung des Geländes und die äußere Wehrmauer, die sich auf Wegen umrunden lässt. Von beiden Seiten lassen sich ältere Elemente erkennen, die teilweise mit Beton verbaut sind. Ein Schild weist an der Außenmauer auf die Burgstelle hin.

Äußere Wehrmauer der Burg Buttenhausen

In den Räumen des Schlosses oberhalb der Wasserstetter Straße ist heute eine Einrichtung für Behinderte und Altenpflege untergebracht. Das Gebäude stammt vom Beginn des 19. Jahrhunderts.

Während der Sommersaison kann man ab Buttenhausen mit dem Kanu auf der Lauter fahren. Diese mündet in die Donau und fließt auf ihrem weiteren Weg durch ein romantisches Tal in einer typischen Alblandschaft.

Schloss Buttenhausen