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Tübingen

Universitätsstadt am Neckar

Tübingen ist die Stadt in Deutschland, die den Anspruch für sich erheben kann, den niedrigsten Altersdurchschnitt zu haben. Die 1477 gegründete Universität war seit ihrem Anbeginn ein Garant für Kultur und Weltoffenheit. Noch heute wird die Stadt von dieser Einzigartigkeit geprägt, und obwohl es keine Großstadt ist, spürt man hier ein ganz besonderes Flair. Die mittelalterliche Altstadt über dem Neckar zieht alljährlich Touristen aus Deutschland und der ganzen Welt an, und die Menschen, die hier wohnen, fühlen sich wohl in Tübingen.

Partie in der Schmiedtorstraße

Eine Universität prägt die Stadt

Tübingen ist eine bekannte Universitätsstadt etwa 40 km südlich von Stuttgart am Neckar gelegen. Es ist zugleich Sitz des gleichnamigen Regierungsbezirkes, der vom Neckartal über Schwäbische Alb und Oberschwaben bis an den Bodensee reicht. Durch seine vielfältigen Studienangebote und zahlreichen Fakultäten, die über die ganze Stadt verteilt sind, hat Tübingen dauerhaft etwa 30.000 Studierende. Bei der Gesamteinwohnerzahl von rund 87.000 ist es also eine recht junge Stadt, die den niedrigsten Altersdurchschnitt aller Städte in Deutschland aufweist. Dennoch besitzt Tübingen mittelalterlichen Flair, den man besonders spürt, wenn man einen Bummel durch die Gassen der engen Altstadt unternimmt. Es besitzt noch wenig Industrie und wurde von Kriegen weitestgehend verschont. In und um die Stadt befinden sich zahlreiche Grünanlagen, so auch der Botanische Garten mit einer Auswahl exotischer Pflanzen und Schmetterlingen. In einem Wald gelegen und als Denkmal markiert ist der Landesmittelpunkt von Baden-Württemberg. Die Universitätskliniken dieser Stadt haben einen guten Ruf und wurden vor einigen Jahren vom Zentrum auf den oberhalb gelegenen Schnarrenberg ausgelagert. Tübingen genießt internationales Ansehen und besitzt innerhalb des Landes hohen Wohnwert.

Entdecken Sie Tübingen

Blick vom Unteren Schlosstor Richtung Stiftskirche und Österberg

Einführung in die Stadtgeschichte

Tübingen, am Neckar gelegen, wurde im 6./7.Jahrhundert wie andere Orte mit der -ingen-Endung, von den Alemannen gegründet. Erstmals erwähnt wurde Tübingen in einer Chronik aus dem Jahr 1078, als Heinrich IV. auf seiner Rückkehr von Canossa die "alemannische" Burg (castrum Alemannorum, quod Twingia vocatur) belagerte. In der Mitte des 12.Jahrhunderts ernennen sich die Grafen von Tübingen zu Pfalzgrafen, und der Ort wird zur Stadt. 1191 werden neben einem Pfarrer auch Kaufleute erwähnt, 1231 wird die Stadt als civitas, also mit Stadt- und Bürgerrechten versehen, bezeichnet.

In dieser Zeit erlebt Tübingen seine erste Blüte, mit der Prägung des weit verbreiteten Tübinger Pfennig wird die Stadt zum Machtzentrum. Mit dem Untergang des staufischen Hauses müssen die Grafen von Tübingen die Stadt an Württemberg verkaufen, gleichwohl ist sie danach zweitgrößte Stadt des Landes (mit etwa 3000 Einwohnern). 1477 wird von Graf Eberhard im Bart unter dem Motto "Attempto - ich wag´s" die Universität gegründet. 1495 wird Tübingen zweiter Regierungssitz des neu gegründeten Herzogtums.

1534 führt der Nachfolger von Graf Eberhard im Bart, Graf Ulrich, die Reformation ein, und übergibt Philipp Melanchthon die Aufgabe der Neuordnung der Universität. Der Dreißigjährige Krieg brachte viel Unheil über Tübingen, Überfälle und die Pest dezimierten die Einwohnerzahl, das städtische Vermögen und damit auch das der Universität ging verloren. Tübingen wird von den Franzosen besetzt und liegt lange brach. Mit der Neugründung einer Universität in Stuttgart 1781 sinkt die Studentenzahl in Tübingen auf 200. Im 19.Jahrhundert bekam Tübingen zahlreiche neue Fakultäten, die dort erstmals in Deutschland auftauchten. Ab Mitte des 19.Jahrhunderts wurde Tübingen und seine Universität bedeutend erweitert, 1861 kam der erste Eisen-bahnanschluss, 1900 hatte die Stadt 15.000 Einwohner und 1000 Studierende. 1925 zählte man bei 2500 Studenten ganze 20.000 Einwohner.

Evangelisches Stift in der Neckarhalde

Tübinger Stadtleben heute

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Tübingen bis zur Gründung von Baden-Württemberg Hauptstadt des Landes Württemberg-Hohenzollern. Der Raumbedarf wurde größer und man erweiterte besonders in der Nordstadt entlang des Nordrings. Die Wanne und Waldhäuser Ost sind einige bedeutende neue Wohngebiete, die auch Platz für die Studenten schufen. Bei der Bebauung entstanden an der Peripherie auch einige Hochhäuser, die sich von dem ansonsten beschaulichen Stadtbild abheben. 1974 wurden viele Gemeinden im Umland nach Tübingen eingemeindet. Heute hat Tübingen 87.000 Einwohner und 30.000 Studierende. Es ist eine junge und alternative Stadt, mit vielen Cafés und Treffpunkten. Man sagt: "Tübingen hat keine Universität, Tübingen ist eine Universität." Tatsächlich nimmt die Uni nach wie vor die bedeutendste Rolle in der Stadt ein, zieht Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland in die Stadt am Neckar und macht sie zu einer multikulturellen Metropole im Ländle. Trotz allem ist Tübingen bescheiden geblieben: Es ist keine Großstadt, das Herz der Stadt schlägt immer noch am beschaulichen Neckar, auch wenn er manchmal in Nebel gehüllt ist. Der Verkehrsstrom fließt am Stadtkern vorbei, wenn man nicht will, braucht man hier kein Auto. Fahrräder und ein dicht gestricktes ÖPNV-Netz ersetzen die "Spritfresser".

Sehenswürdigkeiten

Was aber kann man in dieser Stadt unternehmen, wenn man sich hier aufhält ? Tübingen hat ein Angebot für jede Interessengruppe.

Die Neckargasse

Mittelalterliches Tübingen

Den Rundgang durch die mittelalterliche Altstadt kann man entweder am Neckarufer starten oder an der Herrenberger Straße / Ecke Gmelinstraße. An beiden Orten gibt es Parkhäuser mit ausreichend Abstellmöglichkeiten. Unten an der Neckarfront befindet sich das wohl meistfotografierte Motiv Tübingens: Das Stadtpanorama mit dem Hölderlinturm. Das integrierte Museum bietet in 3 Räumen Einblicke in das Tübinger Leben des Dichters. Es gibt zeitgenössische Darstellungen der Stadt und Dokumente und Informationen aus dem Leben Hölderlins.

Vom Neckar aus läuft man über eine Brücke und betritt zur linken Hand die Altstadt. Es geht bergaufwärts bis zu dem Platz, an dem die Stiftskirche steht. Nach einer Besichtigung geht die Tour weiter bis zum Marktplatz mit prächtigem Fachwerk und dem historischen Rathaus. Es wurde 1435 dreistöckig erbaut und 1511 mit einer kunstvollen astronomischen Uhr verziert, die immer noch funktioniert.

Von der anderen Seite gelangt man über die Schmiedtorstraße und das Lazarett (Fachwerkgebäude) an der gleichnamigen Gasse zu einem Seitenkanal der Ammer, an dem die Ammergasse und die Kornhausgasse zusammentreffen. Dieser Teil Tübingens befindet sich in der Unterstadt und wartet mit vielen kleinen Gassen und Seitenstraßen auf, deren Häuser hübsch herausgeputzt sind. Die Kornhausgasse ist eine der Hauptadressen in Tübingen, wenn es um einen Stadtbummel geht. Als Verlängerung der Ammergasse ist sie Fußgängerzone. Hier steht das Stadtmuseum im Kornhaus, in dem Besucher eine Dauerausstellung zur 900-jährigen Geschichte der Stadt finden. Unmittelbar daneben gelangt man durch die Marktgasse zum Ausgangspunkt, dem Tübinger Marktplatz.

Hübscher Tübinger Marktplatz mit Fachwerkhäusern

Neben dem Rathaus befindet sich das Gässchen mit Treppe "Am Markt", welches zur Haaggasse hinaufführt. Von hier hat man den besten Überblick auf den Marktplatz. In der warmen Jahreszeit sind auf dem Marktplatz viele Straßencafés geöffnet. In der Neckarhalde, die über das Wienergäßle zu erreichen ist, befindet sich ein großer, renovierter Fachwerkbau. Direkt oberhalb steht das Schloss, zu dem sich der Aufstieg durch die enge Burgsteige schon wegen des Panoramas lohnt. Eine weitere sehenswerte Stadtkirche (Sankt-Johannes-Kirche mit Stift) steht in der Froschgasse in der Unterstadt.

Schloss Hohentübingen

Schloss Hohentübingen wird als castrum twingia erstmals im Jahre 1078 erwähnt, als Kaiser Heinrich IV. auf seinem Rückweg nach Canossa die Burg des Grafen Hugo von Tübingen belagert. Diese nahm in etwa die Fläche des heutigen Schlosshofes ein. Im 12. Jahrhundert ernannten sich die Grafen von Tübingen zu Pfalzgrafen, 1342 musste der Hohentübingen an Württemberg verkauft werden. Herzog Ulrich, Nachfolger von Universitätsgründer Graf Eberhard im Bart, begann mit den ersten Umbauten wenige Jahre nach dessen Tod, weitere folgten 1534-1550 sowie 1604-1607 durch den Bau des Schlosstores und der Bastionen. 1979-1994 wurde das Schloss modern renoviert und beherbergt seitdem das Archäologische Institut sowie das dazugehörige Museum der Universität Tübingen, welches Besuchern frei zugänglich ist und Zeitgeschichte über 40.000 Jahre dokumentiert, dabei seltene figürliche Darstellungen der Steinzeit aus Mammutelfenbein und eine gut sortierte Ägypten-Sammlung.

Innenhof vom Tübinger Schloss

Künstlerisches Tübingen

Wer sich auf Sightseeing-Tour machen mag, ist in der ausgedehnten Altstadt am Besten bedient. Für Museumsfans empfiehlt sich ein Besuch im Museum Schloss Hohentübingen mit Sammlungen zu Ur- und Frühgeschichte, Ethnologie, Numismatik, Ägyptologie, Altorientalistik, Abgusssammlung und noch einiges mehr. Kunstfreunde wählen den Weg in die Kunsthalle auf der "Wanne", die sich auf die Kunst der Moderne spezialisiert hat und mit regelmäßigen Ausstellungen weltbekannter Maler auf sich aufmerksam macht. Über die Stadtgeschichte informiert auf mehreren Stockwerken das Stadtmuseum im Kornhaus, das zugleich Wechselausstellungen zu Künstlern und Persönlichkeiten anbietet. Automobilfans werden in der Nähe der Universität fündig. Das Automobilmuseum Boxenstop zeigt Rennwagen aus allen Epochen. Es ist nicht riesig, verfügt aber über eine breite Palette an interessant aufbereiteten Hintergrundinfos. Freunden des Theaters bietet sich das Landestheater LTT in der Tübinger Südstadt an. Kleinkunst, Kabarett, Inszenierungen, Lesungen und musikalische Darbietungen finden hier ihre Bühne und werden auch von den Studenten aufgeführt. Im Zimmertheater dagegen wird für jede Aufführung ein anderes Team engagiert. Es gibt keine feste Gruppe, keine festen Darbietungen, seit über 40 Jahren ist das Programm abwechslungsreich.

Vor dem Stadtmuseum in der Kornhausgasse

Sakrales Tübingen

Tübingen spielt auch in kirchlicher Hinsicht eine Rolle: Die spätgotische Stiftskirche befindet sich mitten in der Altstadt. Sie dominiert die Kulisse über dem Neckarufer.

Interessant sind hier die figürlichen Reliefs aus dem 15.Jahrhundert, Renaissanceskulpturen über dem Eingang und 13 Tumben im Chor, die eine Ahnengalerie des württembergischen Fürstenhauses darstellen. Die Stiftskirche ist für vielfältige, auch fremdsprachige Veranstaltungen und Chorgesänge bekannt. Unweit von Tübingen steht im Schönbuch das Kloster Bebenhausen. Es wurde im 12.Jahrhundert gegründet und diente bald darauf dem Zisterzienserorden. Durch seinen Einfluss erlangte es einen beeindruckenden Grundbesitz, dessen Höhepunkt im 13. bis 15. Jahrhundert lag. Aus dieser Zeit stammt "einer der schönsten Glockentürme". Es wurde 1534 im Zuge der Reformation aufgelöst und zur Evangelischen Schule umgestaltet. Ab 1873 diente es als königliches Jagdschloss und war von 1946 bis 1952 der Sitz des Landtages von Württemberg-Hohenzollern. Berühmt ist das Kloster auch durch seinen herrlichen gewölbten Kreuzgang. Führungen finden regelmäßig statt.

Platz vor der Stiftskirche

Natur in Tübingen

Die Neckarinsel erstreckt sich von der Neckarbrücke gegenüber der Altstadt über 950 Meter bis zu einer anderen Brücke. Die Insel diente früher als Weidefläche für die Tübinger Stadtbevölkerung und wurde vor 200 Jahren mit einer Platanenallee bepflanzt. Von hier hat man den besten Blick auf die Altstadtkulisse. Auf der "Wanne" gibt es mit dem 1968 eröffneten Botanischen Garten eine grüne Oase, die mit dem Stadtbus problemlos zu erreichen ist. Die Einrichtung der Universität verfügt über Außen- und Innenanlagen sowie über ein Schmetterlingshaus. Führungen finden in Abstimmung mit dem Lehrprogramm der Universität oder nach Anmeldung statt.

Übernachtungen

Recht stadtnah liegt das Hotel Krone. Als besonderen Service gibt es Internetzugang, Café/Bistro, Konferenzräume und Lärmschutzfenster. Bahnhof und Altstadt befinden sich in nächster Nähe. Im Hotel Katharina sind ruhige Zimmer vorhanden. Das garni bietet zusätzlich Wäschereiservice und Internetzugang, Haustiere sind auch erlaubt. Das Hotel Domizil ist ein 4-Sterne-Hotel mit ruhigen Zimmern, Garten/Park, Dampfbad, Express Check In/Out, Internetzugang, rollstuhlgerecht, Haustiere erlaubt, Rezeption durchgehend besetzt.

Wer es etwas günstiger mag, kann in der Jugendherberge mit Fernsehraum, Leseraum und Terrasse übernachten oder einfach auf dem Campingplatz Neckarufer.

Abendstimmung in Tübingen

Tübingen - die junge Stadt am Neckar

ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Es gibt viel zu erleben in der Stadt, die durch ihre Universität geprägt wurde und trotzdem bescheiden blieb. Der Flughafen Stuttgart liegt etwa 30 km nördlich an der Schnittstelle der B 27 / A 8. Von dort aus fährt man direkt über die Schnellstraße nach Tübingen. Die Unistadt besitzt einen eigenen Bahnhof mit Anschlüssen von / nach Stuttgart, Herrenberg und Sigmaringen / Aulendorf. Erreichbar ist Tübingen auch von der Stuttgart-Bodensee-Autobahn A 81, Ausfahrt Herrenberg / B 28 oder Ausfahrt Rottenburg / B 28a.

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