Stuttgart

Die Landeshauptstadt befindet sich fast in der Mitte von Baden-Württemberg. So ideal, wie alle Hauptstädte liegen sollten. Stuttgart hat Anbindung an den Großraum, die Metropolregion und vielfältige Ziele im In- und Ausland. Hier laufen nicht nur Bundesstraßen zusammen, sondern auch die Autobahn von Karlsruhe / München mit der zum Bodensee. Es gibt ein gutes Angebot an Bahnverbindungen, zu denen der TGV nach Paris zählt. Der Flughafen und die Messe befinden sich auf den Fildern.

Stuttgart: Altes Schloss, Rathaus, Stiftskirche und Königstraße

Die Anfänge von Stuttgart

Die Stadt soll zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts aus einem Stutengarten entstanden sein. Das Wappen ist eine schwarze säugende Stute im weißen Feld. Graf Eberhard, der Erlauchte, verlegte seine Residenz vom Rothenberg 1320 hierher, und so wuchs der Ort zur Hauptstadt. Neben der Stiftskirche stand früher das älteste Haus, das Stuthaus. Jenseits dieser Kirche liegt die alte Stadt, von der sich aufgrund der Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg nicht mehr viel erhalten hat. Einige Gebäude wurden danach auf den Wunsch der Bevölkerung wieder aufgebaut. In der umgebenden Vorstadt lebten im 19. Jahrhundert die reichen Bürger. Sie war schön, regelmäßig und höher gelegen. Alle Hauptschönheiten, neue Straßen und die ganze Umgestaltung dieser Zeit, sind König Friedrich und Wilhelm I. zu verdanken.

Stiftskirche und Fruchtkasten

Aufschwung im industriellen Zeitalter

Stuttgart zählte, mit Einschluss der dazu gehörigen Weiler, um 1850 über 42.000 Einwohner. Bedenkt man, dass zu Anfang des 19. Jahrhunderts kaum 18.000 Seelen, also 3/7 der späteren Bevölkerung auf die Stadt kamen, kann man den großen Zuwachs in so kurzer Zeit recht überraschend finden. Die Erklärung liegt in den damaligen unverkennbaren Fortschritten in materieller und sozialer Beziehung. Die Grundlage schuf eine intelligente und milde Verwaltung, unter der sich auch der Wohlstand in dieser Zeit bedeutend gehoben hat.

Künste, Gewerbe und Fabriken waren in stetem, erfreulichem Zunehmen begriffen, darunter besonders die Schmuckhersteller. Nach allen Seiten erhoben sich schöne Vorstädte und verlängerte, breiter gebaute Straßen mit geschmackvollen Gebäuden. Die Stadttore wurden zum großen Teil ohne Zögern abgerissen. Bereits 1875 erreichte Stuttgart mit über 100.000 Einwohnern den Rang einer Großstadt. Der weitere Zuzug hielt an, Menschen aus allen Richtungen wollten hier wohnen und arbeiten. 1905 zählte man 250.000 Einwohner, und um 1950 waren es, auch dank der Flüchtlingswellen, erstmals eine halbe Million.

Häuser aus Alt-Stuttgart

Stuttgart heute

Heute hat Stuttgart um die 600.000 Einwohner und ist eine multikulturelle Metropole und Wohnort für Menschen aus allen Ländern der Welt. Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund beträgt über 40%. Alle Religionen haben in der Stadt ein Zuhause gefunden. Stuttgart verfügt mit großen, weltweit bekannten Firmen über wichtige Arbeitgeber, ist aber auch Ausbildungs- und Studienort. Seit langer Zeit verehrt man hier die schönen Künste, sammelt Wertvolles in Museen und Galerien und setzt berühmten Menschen ein Denkmal.

Obwohl die Stadt einem ständigen Wandel ausgesetzt ist, so ist ihre Geschichte stets präsent. In dieser landschaftlich reizvollen Umgebung wollen viele Menschen wohnen. Hier ist alles schnell erreichbar, und doch können die ganzen Vorteile einer Großstadt in Anspruch genommen werden. Die schwäbische Kultur ist nach wie vor wichtig, auch wenn sie oft keine große Rolle mehr spielt. Erhalten geblieben sind die Grundwerte wie Fleiß, Sauberkeit und Bodenständigkeit.

Die Einkaufsmeile - Königstraße

Leben in Stuttgart

Ein außerordentlich freundliches Prestige gibt es der Stadt, dass sie fast nach allen Richtungen mit grünen Hügeln begrenzt ist. Früher zogen sich an den vorderen Seiten meist Weinberge hin. Später wurden diese mit Villen bebaut, während ein Waldsaum den Hintergrund bildet. Und noch immer erinnern manche Gegenden an einen Garten. Die Stuttgarter erholen sich nicht nur auf den Bergen, sondern auch in den zahlreichen Parkanlagen. Unter ihnen ist der Schlossgarten der bekannteste und älteste. Er reicht vom Zentrum bis nach Bad Cannstatt zum Neckarufer.

Zwei Elemente waren in der Stadt schon immer nicht so angenehm - Luft und Wasser! Im Winter liegen lang anhaltende Nebel auf dem Tal, und im Sommer beeinträchtigen dichte Ausdünstungen die Lebensqualität. Wer davon Erholung braucht, sollte die Höhen suchen. Im Sommer eignet sich dafür ein Aufenthalt im schattenreichen Ludwigsburg.

Unten Stadt, oben Landschaft

Alltag zwischen Industrie und Weinreben

Sehr viel ist für Stuttgart geschehen. Aber die landschaftlichen Bedingungen verhinderten zumeist großartige Planungen. Alles ist eingezwängt in diesen Kessel von hohen und nahen Bergen, der sich bloß gegen Bad Cannstatt in ein schmales langes Tal öffnet. Dahinter befindet sich das Neckartal nach Esslingen, das zwar stark industrialisiert ist, aber mit Weinbergen und vielen Wanderwegen einige Naturschönheiten aufweist.

Stuttgart bietet, wie nur wenige Hauptstädte, die herrlichsten Spaziergänge und abwechslungsreichsten Gesichtspunkte, wenn man sich Zeit und Mühe nimmt, die Höhen zu besteigen - sie sind „herzig nett!“ Das Leben ist gut und bisweilen auch gesellig. Stuttgart war lange Zeit ein wichtiger Militärstandort und offen für Fremdenzufluss. Hohe Mieten und Unterhaltskosten beeinflussen heute wie überall das Wohnen in der schwäbischen Metropole. Dennoch, wer im Winter keine stark geheizten Zimmer mag, findet in Stuttgart noch verhältnismäßig angenehme Temperaturen vor.

Staatstheater im Schlossgarten, rechts oben der Fernsehturm

Resonanzen zu Stuttgart

Der Humanist und Ritter Ulrich von Hutten (1488 - 1523), der Italien kannte, fand die Lage der Stadt vorzüglich. Land, Berge, Täler, die Früchte und den Wein, selbst Luft und Wasser schloss er mit ein, und sagte: „ipsam Stuttgardiam terrae Paradisum appellant“ Suevi, zu Deutsch: Es geit nur oi Stuagert! Der Stuttgarter ist schwer aus seiner Stadt zu bringen, und sage man, was man will, er entgegnet: „Es isch oinewäg nur oi Stuagert!“ Und sonderbar, diese Neigung zu den glücklichen Gefilden am Neckar wirkt bei längerem Aufenthalt auch auf den Zugereisten.

Stuttgart sollte eigentlich da liegen, wo sich das weit ältere Bad Cannstatt befindet, am schönen Neckar. Stattdessen entwickelte sich die Stadt am 12,8 Kilometer langen Nesenbach, der von Vaihingen aus dem Neckar zufließt. Heute allerdings nicht mehr oberirdisch, sondern in einem Kanalisationssystem. Das Lob dieses Baches hat um 1850 ein Dichter namens Heinrich, Wirt zum wilden Manne besungen. Heinrich ließ sich hierbei durch Friedrich von Matthisson (1761 - 1831) inspirieren, der den Genfersee besang, und entwickelte daraus einen Vergleich zum Nesenbach:

„Plötzlich fällt er, und Arome breiten
Sich aus seinem dicken schwarzen Schlamm,
Keine Fruchtbarkeit er zwar verbreitet,
Aber Nasen er mit Düften weidet -

und ich stehe nicht dafür, dass im Winter patriotische Stuttgarter,

die in Petersburg gewesen, meinen,
täuschend sey die Newa hier im Kleinen,

und beim Nesenbach schwören, wie die seligen Götter beim Styx.“

Die Königstraße vom Bahnhofsturm aus betrachtet

Schwäbische Lebensfreude

Die Gasthöfe und Kaffeehäuser Stuttgarts standen früher in dem Ruf, sich mit den besten in der Schweiz und den Rheingegenden kühn messen zu dürfen. Ähnlich wie München, ist die Stadt mit lauschigen Biergärten gesegnet. Das Publikum hat hier eine große Auswahl an schwäbischen und internationalen Spezialitäten, in höchst unterschiedlichen Preislagen. Überhaupt geht es in der Stadt höchst lebendig zu.

Die Atmosphäre ist einem stetigen Wandel ausgesetzt. Viele Menschen wandern ab und neue Gesichter ziehen zu. Und trotzdem kann Stuttgart von sich behaupten, die Grundzüge seines schwäbischen Charakters bewahrt zu haben.