Freilichtmuseum Heuneburg

Geschichte und Gegenwart

Das Freilichtmuseum Heuneburg und das Heuneburg-Museum befinden sich bei Herbertingen im Oberen Donautal, nicht weit von der Schwäbischen Alb entfernt. Ich habe diese einzigartige Kulturstätte mit meinen Freunden besucht, die sich ebenso wie ich für die regionale Geschichte interessieren. Museen gibt es eine Menge, aber zu den Kelten recht wenig. Dabei war dieser Volksstamm in Deutschland sehr verbreitet.

Wer waren die Kelten ? Sie gründeten in vorchristlicher Zeit auf einem Plateau oberhalb der Donau eine ausgedehnte Siedlung. Spätestens ab dem 8. Jahrhundert vor Christus waren sie in der Gegend präsent und blieben eigentlich bis zur großen Völkerwanderung, die wenige Jahrhunderte nach Christi Geburt einsetzte. Die Menschen lebten außer vom Handwerk und dem nachgewiesenen Handel mit Nachbarvölkern vor allem vom Erzabbau und der Eisenverarbeitung. Herodot erwähnte eine Stadt am Oberlauf der Donau, mit der die Heuneburg gemeint sein könnte. Dafür sprechen Belege wie die in der Umgebung gemachten Funde von Weinamphoren aus dem Mittelmeerraum und griechisch-illyrischer Keramik.

Ausgrabungen im Umfeld der Heuneburg

Rundgang im Freilichtmuseum

Im Freilichtmuseum Heuneburg sind detailgetreu wieder aufgebaute oder rekonstruierte Gebäude aus der keltischen Zeit zu sehen. Diese orientieren sich an den wenigen Erkenntnissen, die man aus den Grabungen über die Bebauungsweise ziehen kann, oder auch an spätbronzezeitlichen Befunden von Pfahlbauten. Immer wieder sind Bauern im Umfeld der Heuneburg auf Bodenfunde gestoßen. Läuft man mit wachen Augen hier entlang, erkennt man zahlreiche Unebenheiten und deutlich sichtbare Grabhügel. Mit dem Aufkommen der modernen Archäologie im 19. Jahrhundert rückte das Gelände immer mehr ins wissenschaftliche Interesse. Auch bei unserem Besuch war ein Archäologenteam gerade mit Ausgrabungen beschäftigt.

Wohnhäuser mit Lehmziegelmauer

Das Schöne an dem Freilichtmuseum ist, dass man sich beim Wiederaufbau viel Mühe gegeben hat. Die Häuser waren aus Stein gebaut, außen mit einem Lehm-Stroh-Gemisch verputzt und wahrscheinlich mit einem Dach aus Stroh ausgestattet. Zu den Gebäuden, die hier bestaunt und betreten werden können, gehören ein Herrenhaus, Lehmziegelmauer, Wohnhaus, Speicher und ein Werkstattgebäude. Zum Wiederaufbau wurden Materialien verwendet, die damals gebräuchlich waren. Auf diese Weise macht es Spaß, sich einmal in das Leben des hier einst heimischen Volkes zurückversetzen zu lassen. Bei unserem Besuch sind wir auch auf verkleidete Darsteller gestoßen, die im Museumsdorf herumliefen und sich gerne fotografieren ließen.

Museumsdorf

Authentische Darstellung auch im Innenbereich

Über die Einrichtung der Häuser kann man freilich nur mutmaßen, allerdings ist ein gewisser Komfort im Alltag vorauszusetzen. Im Langhaus, das gleich im Vorderbereich steht, konnten wir uns wie in der Eisenzeit fühlen. Nachdem wir es betreten hatten, empfing uns rechts an der Seite ein langer Gang. Von ihm zweigen links mehrere sehr große Räume ab, in denen sich die Familien aufhalten konnten. Man geht davon aus, dass die Bewohner im Innenbereich auch Essen zubereiten konnten. Für den Abzug des Rauchs einer Herdstelle gab es im Dach eine Aussparung. Nicht minder faszinierend war die Besichtigung der kleineren Häuser. In den Räumen fanden wir zum Beispiel ein Regal mit verschiedenen Gebrauchsgegenständen, ein Bett und einen Mahlstein. Zum Abschluss konnten wir noch auf der überdachten Befestigungsmauer entlanglaufen und hatten einen wunderschönen Ausblick zur Donau.

Regal im Innenraum mit Einrichtungsgegenständen

Die Ausstellung im Heuneburgmuseum

Wenige Kilometer vom Museumsdorf entfernt gibt es eine dazu passende Ausstellung mit echten antiken Fundstücken. Das Heuneburgmuseum in Herbertingen-Hundersingen bietet einen Überblick von der Vorgeschichte bis zur Gegenwart. Die Sammlung wertvoller auf der Heuneburg gefundener Exponate ist in der ehemaligen Zehntscheuer von 1783 untergebracht. Wir waren begeistert von der Aufmachung, die Besichtigung war sehr lehrreich und wir hätten etwas verpasst, wenn wir nicht noch hierher gekommen wären. Da sich meine Freunde und ich sowieso für die Archäologie und alles Geschichtliche interessieren, war es das ideale Ausflugsziel.

Präsentiert werden nicht nur die bloßen Objekte, alles ist auch gut aufbereitet und hilft, sich einen Eindruck von den Menschen zu machen, die auf der Heuneburg wohnten und die Gegenstände herstellten. Schnell wird offensichtlich, dass hier reger Handel betrieben wurde, und dass die Leute alles andere als dumm waren. Sie hatten eine hochentwickelte Kultur und ständigen Kontakt zu anderen Völkern. Der Besucher sieht und versteht, welche wunderbaren Dinge schon damals aus Metall und Ton hergestellt wurden. In gesonderten Bereichen wird die keltische Welt auch akustisch begreifbar gemacht. In einem Museumsshop kann man Nachbildungen der Fundstücke und Schriftmaterialien erwerben, und sich im Café etwas stärken.

Keltisches Langhaus

Wie kommt man hin ?

Lage: Das Freilichtmuseum Heuneburg liegt zwischen Binzwangen und Hundersingen. Nur wenige Kilometer entfernt von der B 311 Ulm - Riedlingen – Tuttlingen oder B 32 Hechingen – Sigmaringen - Ravensburg. Für das Navi nimmt man die Adresse Talhof, Herbertingen. Von Binzwangen her geht es durch ein kleines Waldstück, kurz danach links zum Besucherparkplatz. Von Hundersingen her fährt man zwei Kilometer über freies Feld, dann kurz vor Erreichen des Waldes rechts zur Heuneburg. Die Adresse des Museums lautet Binzwanger Straße 14 in 88518 Herbertingen-Hundersingen. Die Umgebung eignet sich auch gut für Wanderungen und Radtouren.