Dettingen an der Erms

Umgeben von blühenden Obstbaumwiesen, liegt die Gemeinde Dettingen zwischen Metzingen und Bad Urach in einem Tal, das von der Erms durchflossen wird. Die landschaftliche Schönheit wird von vielen geschätzt, und so wohnen hier auch schon über 9000 Menschen. An dieser Stelle wird das Ermstal vom Albtrauf eingerahmt, der eine Reihe von Besonderheiten aufweist. Während er ringsherum überwiegend schroff und bewaldet erscheint, stehen die Hänge am Nordrand von Dettingen voll und ganz dem Gartenbau zur Verfügung. Dort finden sich die typischen „Gütle“, wie diese Grundstücke von den Schwaben stolz genannt werden. Und wie es sich gehört, haben diese Gütle auch ihre Zufahrten, die gut und gern auch von Spaziergängern genutzt werden.

Dettingen vom Calverbühl aus gesehen

Der Ortskern von Dettingen ist heute verkehrsberuhigt. Entlang der Fortsetzung der Metzinger Straße und weiter in der Uracher Straße finden sich malerische Fachwerkhäuser. Eines davon ist das Rathaus, vor dem das Denkmal mit dem Geißbock steht. Er ist das Wappentier von Dettingen, und tatsächlich wird in neuerer Zeit wieder aktiv Ziegenzucht auf einigen Grundstücken betrieben. Das Bürgerhaus am Anger, zwischen Stiftskirche und Marktplatz, stammt von 1868. Davor steht ein restaurierter, bunt bemalter Brunnen mit der Figur eines Wächters, der eine Lanze in der Hand hält. In dieser Umgebung macht Bummeln Spaß. Dettingen hat ein gutes Angebot an Geschäften und Gastronomie aller Art. Beim Spaziergang durch die Gassen mit ihren alten Häuserzeilen fühlt man sich manchmal wie in einer Kleinstadt, obwohl Dettingen doch „nur ein Dorf“ ist.

Metzinger Straße

Die evangelische Stiftskirche beherrscht das Ortsbild seit dem 15. Jahrhundert. Sie verfügt über einen spätgotischen Chor mit einem 1864 angebauten neugotischen Langhaus. Im Bereich des Eingangsportals finden sich florale Muster. Die hochromantische Orgel befindet sich auf einer hölzernen Empore steht unter Denkmalschutz. Holz ist ein wichtiger Baustein im Innenraum, auch die Seitenemporen, Kirchenbänke, Kanzel und Dach des Schiffes bestehen daraus. Im Altarraum ist noch das älteste Rippengewölbe erhalten. Außerhalb der Gottesdienste ist die Kirche täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet, im Winter bis Einbruch der Dunkelheit.

Rathaus, Geißbock und Stiftskirche

In der Siedlung Buchhalde haben sich die „Blumenmönche“ niedergelassen. Die evangelische Ordensgemeinschaft wohnt in einem Kloster auf der Anhöhe und verfügt über ein modernes Gotteshaus. Ihnen gehört der Garten der Stille, der sich unterhalb ihrer Wohnstätten befindet. Es handelt sich um einen botanischen Garten mit Ruheplätzen und sehr vielen seltenen Pflanzen. Wege führen durch ein Sammelsurium an stillen Orten und grünen Ecken. Dank der Vielfalt finden sich hier auch zahlreiche Vogelarten wieder.

Garten der Stille

Auf der anderen Straßenseite liegt der Garten Eden. Bei dieser malerischen Anlage kommen zusätzlich noch bunte Blumenbeete und Wasserspiele hinzu. So gibt es hier einen Teich mit Seerosen und einen Platz mit Wasserstelle und Statue. Der Rundgang bietet immer neue Perspektiven und die Möglichkeit, sich zu entspannen und Kraft zu tanken. Geöffnet ist täglich von März bis November.

Garten Eden

Über die B 28 ist Dettingen recht schnell erreichbar. Zwischen Metzingen und Bad Urach liegt der Ort auf halber Strecke. Eine Umgehung nimmt den Durchgangsverkehr aus Dettingen heraus und sorgt so für mehr Lebensqualität. Die Ermstalbahn verkehrt in regelmäßigem Takt ab (Herrenberg - Tübingen - ) Reutlingen nach Bad Urach und bedient die Haltestellen Dettingen Lehen, Mitte, Freibad und Gsaidt. Busverbindungen gibt es nach Bad Urach, Metzingen und Reutlingen.

Rottenburg am Neckar

Das Stadtgebiet von Rottenburg am Neckar fügt sich in die Landschaft zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb ein. In der Kernstadt und umliegenden Dörfern leben gut 40.000 Menschen. Die Kreisstadt Tübingen ist etwa 12 Kilometer entfernt. In der Umgebung liegt das ausgedehnte Waldgebiet Rammert. Nur unweit befinden sich mit dem Schönbuch und dem Hecken- und Schlehengäu noch zwei andere bedeutende Naturreservate.

Fachwerkpartie am Neckarufer

Bei einem Stadtrundgang erhält der Besucher einen Einblick in die über zweitausendjährige Geschichte von Rottenburg. Es gibt die Möglichkeit, dies auf eigene Faust zu tun, oder an einer Führung teilzunehmen. Solche werden monatlich einmal in der Kernstadt, und einmal in den Stadtteilen angeboten. Die Touristinformation befindet sich am Marktplatz, hier erhält der Gast auch weitere Auskünfte und kann Führungen für größere Gruppen buchen. Wer all die herausragenden Bauten, die historischen Orte besucht und einen Einblick in die abwechslungsreiche Vergangenheit bekommt, wird gerne wiederkommen.

Partie am Domplatz

Rottenburg ist mehr als eine romantische Stadt am Neckar, sie ist der Sitz eines Bischofs und hat daher auch einen Dom. Diesen umgibt der hübsche Marktplatz mit dem barocken Rathaus von 1735. Steht man davor, spürt man förmlich die beschwingte Atmosphäre, die von diesem Bauwerk ausgeht. Tatsächlich weist es einen Stil auf, der für das ehemalige Vorderösterreich typisch ist. Rottenburg gehörte vom 14. Jahrhundert bis zum Zeitalter Napoleons den Habsburgern. Der Baumeister Johann Felder stammte aus dem Bregenzerwald. Und in der ganzen Stadt findet man heute noch Spuren, die an diese große Epoche erinnern.

Das barocke Rathaus

Direkt daneben steht der Dom Sankt Martin. Die gotische Kirche wurde im 15. Jahrhundert errichtet und nach einem Stadtbrand um die Mitte des 17. Jahrhunderts im Barockstil erneuert. Der Turm ist bis heute am ursprünglichsten erhalten und weist in seinem unteren Teil noch mittelalterliche Bauelemente auf. Mit den Domglocken wird mehrmals täglich ein harmonisches Geläut dargeboten. In den Seitenstraßen finden sich viele sehenswerte Stadthäuser vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Zum Neckar hin läuft der Besucher an Resten der alten Stadtmauer entlang.

Dom Sankt Martin

Am Rande der Altstadt befindet sich eine alte römische Badetherme, die mit einem höchst lohnenden Museum überbaut ist. Der Fund der antiken Stätte mit ihrer gut erhaltenen Toilettenanlage bildete die Inspiration für das römische Sumelocenna-Museum der Stadt Rottenburg am Neckar. Das Angebot reicht von Modellen, Rekonstruktionen und Vorführungen bis zu zahlreichen römischen Funden.

Sorgsam geschützt, aber keineswegs distanziert, kann sich der Besucher eine Auswahl von Keramik, Spielsteinen, Metallartefakten, Mosaiken und Statuen ansehen. Führungen sind variabel und auch für Kleinstgruppen erhältlich. Eine Ton-Bild-Schau, die auch in englischer und französischer Sprache aufbereitet ist, gibt einen Einblick in das römische Leben dieser Region. Darüber hinaus werden museumspädagogische Aktivitäten für Schüler und Interessierte angeboten. In unmittelbarer Nähe des Museums gibt es ein Parkhaus.

Geschichtlicher Rundgang vor dem Museum

Kloster Weggental

Nordwestlich der Altstadt lädt das Kloster Weggental zur Andacht und Besichtigung. Es ist ein Geheimtipp unter den schwäbischen Klöstern, aber mit ganz besonderer Atmosphäre. Man gelangt hierher über die Weggentalstraße, die vom Kreisverkehr beim Sumelocenna-Museum abzweigt. Schon auf dem Weg zur Anlage können eine Reihe von Bildstöcken bewundert werden. In diesem kirchenhistorischen Schatz liegen auch die Anfänge von Weggental, denn ein Bildstock war es, dem hier im 15. Jahrhundert eine besondere Verehrung zuteil wurde.

Wallfahrtskirche Weggental

Nach dem Bau einer Kapelle im 16. Jahrhundert entstand die heutige Wallfahrtskirche von 1682 bis 1695. In der Barockzeit wurde sie mit zahlreichen Preziosen ausgestattet, die noch heute eine hohe kirchenhistorische Bedeutung haben. In den Nischen der Kirche stehen schwarzgoldene Altäre mit Gemälden, auf denen Szenen aus der Bibel dargestellt sind. Überaus sehenswert sind auch die sakralen Skulpturen und die Verzierungen an den Säulen des Schiffes. Im Außenbereich befindet sich eine offene Marienkapelle, wo Besucher ein Teelicht entzünden können.

Weggentaler Altar

Wurmlinger Kapelle

Von Tübingen erstreckt sich in Richtung Rottenburg ein Bergrücken, auf dessen westlichstem Ausläufer die Wurmlinger Kapelle steht. Sie ist nicht nur ein magischer Anziehungspunkt für Katholiken, sondern auch ein beliebtes Ausflugsziel für Familien. Ludwig Uhland widmete ihr das Lied "Hoch oben stehet die Kapelle".

Neben der Kirche im Ortskern stehen zwei sehenswerte Kreuze mit Inri. Nicht sehr weit davon führt ein Weg den Berg hinauf. Hier kann der Besucher die ersten Bildstöcke und Kreuze bewundern. Die Zahl nimmt auf der weiteren Strecke zu. Auf einigen sind Jahreszahlen wie 1821 zu lesen, viele enthalten Marienabbildungen und ähnliches. Etwa auf der Mitte des Spitzberges angekommen, sieht man schon die ersten mit Wein bewachsenen Hänge. Weitere Wege laden ein, den Berg ausführlich zu erkunden. Verlockend ist es, erst einmal die dortige Aussicht auf sich wirken zu lassen. Das Neckartal mit Tübingen liegt zur linken und Rottenburg zur rechten Hand, davor befinden sich die Hirschauer Baggerseen und dahinter die blaue Mauer der Schwäbischen Alb.

Blick von der Kapelle nach Rottenburg

Fast oben angekommen, sieht man zur anderen Seite in das Tal hinab und erkennt in der Ferne die Stadt Herrenberg, den Schwarzwald und in der Nähe Teile der Stadt Tübingen. Hier steht auch schon die prächtige Wurmlinger Kapelle. Die Außenmauern beschützen sie wie ein Schmuckgewand. Draußen ist ein Schild mit Ludwig Uhlands Lied angebracht. Den Hof der Kapelle betritt man durch ein altes Tor und über eine kleine Treppe. Zugleich befindet sich hier der Friedhof der Wurmlinger. An Sonntagen zur warmen Jahreszeit ist die Kapelle geöffnet.

Die Wurmlinger Kapelle

Bevor man den Rückweg antritt, wäre es die Überlegung wert, wo man weitergehen will. Ringsherum gibt es schöne Wacholderheiden und einen kleinen Freizeitplatz.
Ebenso ließe sich der Weg durch die Weinberge oder nach Hirschau hinunter empfehlen.

Durch das Neckartal


Von Rottenburg zieht sich die Schwäbische Dichterstraße durch das enge Neckartal. Ein Halt empfiehlt sich in Bieringen. In einem malerischen Ambiente gibt es einen sehr guten Gasthof, wo man auch im Freien speisen kann. Die ländlichen Gebäude des Dorfkerns bezaubern nicht selten durch ihr Fachwerk, und den Höhepunkt setzt die Kirche St. Peter und Paul. Den Hintergrund für den Altar bilden Malereien, die Jesus Christus und eine Schar von Engeln zeigen. Das Dach darüber besteht aus einer Rippenwölbung und ist mit goldenen Mustern verziert.

St. Peter und Paul in Bieringen

Schloss Weitenburg

Von Bieringen aus bietet sich die Besichtigung des Schloss Weitenburg an. Es liegt zwischen Börstingen und Sulzau auf dem Gebiet der Gemeinde Starzach. 1720 kaufte Freiherr Rupert Rassler von Gamerschwang das Schloss, dessen Nachkommen es bis heute besitzen. Die Anlage ist von einem gepflegten Garten umgeben. Eine alte Kapelle beeindruckt mit ihrem Holzaltar, der mit bunt bemalten sakralen Figuren geschmückt ist. Außer dem Besuch des höchst sehenswerten Innenhofes und der Nebengebäude lohnt sich die Einkehr im Restaurant. Die Terrasse bietet eine grandiose Aussicht ins Neckartal.

Schloss Weitenburg

Heuberger Warte

Der auf einer Höhe von 484 Metern ü. NN. gelegene Heuberg mit der Heuberger Warte befindet sich auf halber Strecke zwischen Rottenburg und Seebronn. Der Aussichtsturm wurde bereits 1422 von den Reichsstädten erbaut. Zugänglich ist er mit einem Schlüssel, den es bei der Touristinformation Rottenburg gibt. Von hier oben, aber auch vom ganzen Umland genießt man herrliche Panoramen auf Schwäbische Alb, Oberes Gäu und den Schwarzwald.

Heuberger Warte von den Feldern bei Remmingsheim gesehen

Synagoge Baisingen

In dem Stadtteil von Rottenburg, rund 15 Kilometer westlich der Kernstadt gelegen, lebten Juden seit dem 16. Jahrhundert. 1784 erbaute die jüdische Gemeinde ein Gotteshaus in einer kleinen Gasse. Die vollständige Zerstörung in der Reichsprogromnacht konnte verhindert werden, weil Wohnhäuser angrenzten. Jedoch wurde der Innenraum verwüstet. In der Folge als Scheune genutzt, befindet sich hier mittlerweile eine Gedenkstätte. Besuchern werden Führungen und Filme angeboten, auf der ehemaligen Frauenempore gibt es eine Ausstellung und der Sternenhimmel an der Decke ist vorbildlich restauriert.

Die Synagoge

Jüdischer Friedhof

Darüber hinaus liegt knapp außerhalb des Ortes noch der jüdische Friedhof mit beeindruckenden Grabmalen. Die ältesten von ihnen sind schon halb verwittert und weisen hebräische Inschriften auf. Während auf einem Teil die Stelen wild umrankt sind und sich selbst überlassen scheinen, erscheint ein anderer Teil gepflegt. Die Hecken werden geschnitten, der Rasen gemäht, und es finden sich sogar Gräber aus den letzten Jahren. Ein Verein kümmert sich um die Erhaltung.

Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof

Wie so oft, hat der Stein eine ganz besondere Symbolkraft. Jeder Besucher, der einen Stein hinterlässt, erweist so dem Verstorbenen die letzte Ehre. Der Friedhof liegt auf einer Anhöhe über dem Dorf, mit herrlicher Aussicht auf die Umgebung und zur Schwäbischen Alb.

Trochtelfingen

Zwischen Reutlingen und Sigmaringen befindet sich die Kleinstadt Trochtelfingen auf der Schwäbischen Alb. Sie liegt an der Seckach, die beim Ortsteil Mägerkingen in die Lauchert mündet. Dort gibt es auch den Mägerkinger See, der ein beliebtes Erholungsgebiet darstellt. Die Gegend um Trochtelfingen ist noch sehr ländlich geprägt, während die Stadt selbst einige gewachsene Wohngebiete besitzt. Der Kern hat sich viel von seiner Originalität bewahrt und besitzt ein gemütliches Ambiente. Stadt und Dörfer sind vorwiegend katholisch, früher gehörte das Gebiet zu Preußen.

Landschaft auf der Haid

Am Rathausplatz steht das 1938 erbaute Rathaus der Stadt Trochtelfingen. In ihm ist die Touristik-Info ansässig. Davor befindet sich der in den Neunzigerjahren entstandene Rathausbrunnen. Mehrere Fachwerkhäuser liegen am Platz. In ihnen sind Geschäfte und Arztpraxen untergebracht. Von hier aus geht es direkt zur Kirche Sankt Martin und zum Schloss.

Am Rathausplatz

Die katholische Kirche Sankt Martin verfügt über ein bemerkenswertes Kreuzgewölbe, das mit einem Sternenhimmel und Fabelwesen bemalt ist. An der Wand befinden sich Fresken mit christlichen Darstellungen aus dem 15. Jahrhundert. Weiter gibt es hier eine Kreuzigungsgruppe, das Gemälde des Heiligen Martin und das Grabmal des Grafen von Werdenberg. Um 1500 wurde sie zur Stiftskirche erhoben. Unterteil und Turm entstanden wohl bereits im 14. Jahrhundert. In die Außenwand sind alte Grabplatten eingelassen. Die weitläufige Anlage im Außenbereich diente bis zum ausgehenden Mittelalter als Friedhof. Darauf ist ein Denkmal zur Erinnerung an die im Deutsch-Französischen Krieg gefallenen Söhne der Stadt zu finden.

Sankt-Martin-Kirche

Seit 2004 ist das Museum des Geschichts- und Heimatvereins Trochtelfingen beim Schloss Werdenberg, gegenüber des Hohen Turmes untergebracht. In drei Räumen wird die Geschichte der Stadt Trochtelfingen präsentiert. Dazu gehören Schriftstücke, Fotos, Tafeln und Objekte, die örtlichen Bezug haben. So kann man sich sakrale Skulpturen und Gegenstände des ländlichen Lebens vergangener Tage ansehen. In regelmäßigen Abständen finden Sonderausstellungen statt. Einzelschicksale wurden bereits in Ausstellungen über Flüchtlinge und Heimatvertriebene sowie Gastarbeiter - Neubeginn in Trochtelfingen näher beleuchtet. Das Museum hat jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Heimatmuseum mit Hohem Turm

Historischen Charme strahlt das Schloss der Grafen von Werdenberg aus. Es wurde Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut und ging im 16. Jahrhundert in den Besitz der Fürsten von Fürstenberg über. Ab dieser Zeit waren hier ständig Ämter ansässig. Bis 1806 die fürstenbergische Obervogtei, bis 1850 die der Hohenzollern und danach das Oberamt der preußischen Verwaltung. Später gelangte das Gebäude in den Besitz der Stadt, die es zeitweise als Rathaus und bis heute als Schulhaus nutzte. Charakteristisch ist die gezackte Dachpartie. Am eckigen Turm neben dem Eingang findet sich das Wappen der Werdenberger. Die Geschichte ist auf einer Tafel am Gebäude nachzulesen.

Schloss der Grafen von Werdenberg

Ein Wahrzeichen von Trochtelfingen ist der Hohe Turm, der früher ein Teil der Stadtbefestigung war. Er wurde im 16. Jahrhundert erbaut und diente um 1900 kurzzeitig als Wasserbehälter. Gut erkennbar sind vier Mauerringe und die Schießscharten. Durch eine Öffnung kann der Besucher in den Innenbereich schauen. Der Turm steht am Ortsausgang und ist von einer Grünanlage umgeben. Daneben befindet sich ein Kreuz mit Inri.

Blick ins Innere des Hohen Turmes

Bei Steinhilben steht der Augustbergturm auf 849 m ü. NN. Die Höhe des Turmes beträgt 30 Meter. 1962 baute der Schwäbische Albverein mit Unterstützung der Gemeinde diesen Turm an der Stelle eines Vorgängerbaus. Der Blick vom Aussichtsraum auf der Spitze reicht weit über die Schwäbische Alb, bis zum Plettenberg und Raichberg, dem Roßberg und dem Sternberg. In der Ferne ist bereits der Bussen in Oberschwaben erkennbar, bei sehr guter Wetterlage sieht man die Alpen. Der Turm ist ständig geöffnet. Zur warmen Jahreszeit ist sonn- und feiertags die Vesperstube geöffnet.

Augstbergturm bei Steinhilben

Die Haidkapelle gehört zur Kirchengemeinde Sankt Martin und befindet sich direkt auf der Gemarkungsgrenze Trochtelfingens nach Engstingen. Sie steht neben dem Gasthaus Waldhorn an der Bundesstraße 313, die Reutlingen / Engstingen mit Sigmaringen verbindet. Die Kapelle wurde 1474 eingeweiht. Besonderheiten sind der vergoldete Holzaltar und die drei Altarfiguren des Ulmers Jörg Syrlin, unter denen die Muttergottes im Zentrum steht. Darüber hinaus sind die Heilige Anna und der Heilige Joachim zu sehen. Ein Ölbild aus dem 19. Jahrhundert stellt die Kreuzigung dar. In jüngster Zeit wurden alte Fresken aufgedeckt. An der Außenwand befindet sich das werdenbergische Wappen mit einer Inschrift, eine Tafel informiert über die Geschichte.

Die Haidkapelle

Im Alb-Gold Nudelcenter können Besucher im Rahmen einer Führung erleben, wie Nudeln hergestellt werden. Der Alb-Gold Landmarkt bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Nudelsorten, die man hier kaufen kann. Ebenso bietet dieser Markt frische Lebensmittel und eine Bäckerei mit Backwaren von der Alb. Im Café und Restaurant kann man alle Nudeln probieren, die bei Alb-Gold hergestellt werden. Diese werden in unterschiedlichen Variationen zubereitet, von regional über gutbürgerlich bis fernöstlich.

Alb-Gold Nudelcenter

Außerdem gibt es einen Kräutergarten mit über 1000 unterschiedlichen Pflanzen, wie sie in Küche, Medizin und zum Genuss verwendet werden. Einen Überblick liefert die ausführliche Darstellung des Gemüseanbaus an Hand von Beispielen. Der über zwei Hektar große Garten ist von April bis Oktober geöffnet. Eine Gärtnerei bietet auch Obst und Gemüse zum Verkauf. Im Umfeld der Anlage befinden sich zwei Regenwasserbiotope mit einer naturbelassenen Fauna und Flora. Im Alb-Gold Nudelcenter werden regelmäßig und nach Absprache Kochvorführungen und Kochkurse angeboten. Parkplätze sind in großer Anzahl verfügbar.

Kräutergarten bei Alb-Gold

Trochtelfingen und seine Ortsteile bieten viel Platz für Freizeitaktivitäten. Die Landschaft ist abwechslungsreich, hat Ebenen, Wälder, Felder, Wiesen und Täler. Ob Radfahren, Wandern oder Inlinern, die Voraussetzungen sind gut. Sogar Schwimmen und Paddeln sind auf dem Mägerkinger See möglich. Der Tourismus ist nicht weit entwickelt, aber die Infrastruktur verbessert sich. Der bekannte Urlaubsort Sonnenbühl liegt in der Nachbarschaft, von dort empfiehlt sich auf jeden Fall ein Ausflug nach Trochtelfingen.

Blick vom Augstbergturm nach Steinhilben

Hier findet man noch katholische Dörfer, Kirchen, Kapellen, und alles was dazu gehört. Bei Touren über die Schwäbische Alb kann man sich auf die Bank unter ein Wegkreuz setzen und die einmalige Stimmung spüren, die einen entspannt macht und Kraft tanken lässt.

Hohenstein

In einer ursprünglichen Gegend auf der Schwäbischen Alb liegt die Gemeinde Hohenstein. Sie besteht aus den Orten Bernloch, Eglingen, Meidelstetten, Oberstetten und Ödenwaldstetten. Namensgebend ist die ehemalige Burg bei Oberstetten. Das Rathaus befindet sich in Ödenwaldstetten.

Meidelstetten

Die Dörfer verfügen über eine Grundversorgung für den alltäglichen Bedarf sowie Gastronomie, die teils überregional bekannt ist. Die Umgebung ist waldreich, es wird auch noch Landwirtschaft betrieben. Abseits der Hauptstraßen gibt es viele gut ausgebaute Wege, die sich für Wanderer und Radfahrer eignen. Manche verfügen über Markierungen des Schwäbischen Albvereins und führen bis ins Lautertal oder auf die Zwiefalter Alb. Der Glaube ist fest verwurzelt, es gibt evangelisch und katholisch geprägte Dörfer. So wundert es nicht, dass man hier auch Wegkreuze findet.

Ödenwaldstetten

Die Hauptattraktion von Hohenstein ist das Bauernhausmuseum, das sich im Ortsteil Ödenwaldstetten befindet. Es besteht seit 1978 und ist in einem originalen Haus aus der Zeit um 1600 eingerichtet. Zu sehen sind Gegenstände aus dem Alltag der Bauern früherer Zeit, landwirtschaftliche Arbeitsgeräte, aber auch Arbeitsgegenstände aus alten Handwerksberufen. Das alte Fachwerkhaus wie auch der gegenüberliegende Stall und Scheuer von 1830 sind komplett eingerichtet. Bei den Museumsfesten kann der Besucher das Leben der damaligen Zeit nacherleben, dann werden oft urtypische Gerichte zubereitet. Im Dorf bestehen mehrere Einkehrmöglichkeiten.

Das Bauernhausmuseum

Der Ortsteil Oberstetten erfüllt die Funktionen eines Zentrums für die Gemeinde Hohenstein. Hier befindet sich mit einem Fertighaushersteller der größte Arbeitgeber, daher ist es ein beliebter Wohnort. Zugleich steht hier die älteste Kirche von Hohenstein. Die katholische Heilig-Kreuz-Kirche soll bereits im 11. Jahrhundert erbaut worden sein. Der Turm mit Kreuzgewölbe gehört noch zum ältesten Teil. Ihr Inneres ziert ein Hochaltar, Fenster aus der Spätgotik, Deckengemälde und eine Muttergottesstatue. Die Glocke aus dem 15. Jahrhundert stammt vom Kloster Zwiefalten. Auf dem angrenzenden Friedhof befindet sich ein Ehrenmal für die Gefallenen der Weltkriege und für die verstorbenen Pfarrer der Kirche.

Heilig-Kreuz-Kirche

Recht einfach wird einem die große Vergangenheit dieser Gegend bewusst. wenn man sich in die nähere Umgebung von Oberstetten begibt. Über die kleine Straße Richtung Bernloch verlässt man den Ort in nördlicher Richtung. An der Seite zeigt ein großes Kreuz, dass die Menschen hier tief im Glauben verwurzelt sind.

Am Rathaus in Bernloch

Auf mittiger Strecke biegt man an einem Waldstück rechts ab und gelangt zur Ruine Hohenstein. Es handelt sich um eine mittelalterliche Burganlage, welche um 1100 erstmalig in der Zwiefalter Chronik erwähnt wird. Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts war die Burg schon nicht mehr bewohnt und verfiel danach. Erstaunlich gut erhalten sind die Ringbefestigung und der Burggraben. Der Hauptturm mit umliegenden Mauerresten steht nochmals auf einer Anhöhe, die von hohen Bäumen bewachsen ist. Über gesicherte Treppenstufen gelangt man zu einer Aussichtsplattform. Von dort ergibt sich ein Panorama auf die Albhochfläche, zum Sternberg bei Gomadingen, die umliegenden Dörfer wie etwa Bernloch und zum Lautertal. Eine Schautafel gibt Auskunft über die Geschichte der Burg. Auch eine Grillstelle findet man hier.

Ruine Hohenstein

Am südöstlichen Ortsrand von Oberstetten liegt die Ödenburg, welche schon vor rund 1000 Jahren bewohnt wurde. Funde bezeugen einen Abgang noch vor Mitte des 12. Jahrhunderts. Von einer spätmittelalterlichen Erwähnung als „Ödenburg“, also als abgegangene Burg, trägt die Ruine ihren Namen. Beim Bau eines Wasserbehälters wurden Ende des 19. Jahrhunderts umfangreiche Mauerreste entdeckt, die zum größten Teil bei der Erneuerung 1978 abgetragen wurden. Heute ist noch eine Mauerecke, die am Wasserbehälter liegt, erhalten. Entlang des Pfades durch den Wald kann der Besucher einen Teil des Felsenfundamentes besichtigen. Herumliegende Gesteine zeugen ebenfalls von der Vergangenheit des Ortes.

Ödenburg

Eglingen war lange Zeit im Besitz der Herren von Speth. Das schwäbische Adelsgeschlecht unterhielt Territorien und Schlösser auf der Alb und in Oberschwaben. 1775 ließen sie auch die Sankt-Wolfgang-Kirche in ihrer barocken Gestalt erbauen. Mehrmalige Veränderungen prägen bis heute das Erscheinungsbild. Bis heute weist der Innenraum einen reichen Barockstil auf. Dazu zählen sakrale Skulpturen und Gemälde mit christlichen Darstellungen. Zu der katholischen Kirchengemeinde gehören noch einige Gemeinden im Umland. Sie unterhält auch eine Kapelle auf dem Krähenberg.

Sankt-Wolfgang-Kirche

Landschaftliche Schönheiten entdeckt man am besten abseits der großen Routen. Wer auf der L 249 den Ort Eglingen Richtung Ehestetten verlässt, biege direkt am Ausgang links ab. Dieser Verbindungsweg führt zum Fladhof und nach Buttenhausen. Nach kurzer Strecke findet man zu linker Hand eine Wacholderheide, die unter Naturschutz steht. Hier gibt es seltene Pflanzenarten sowie die für die Schwäbische Alb typischen Wacholderbüsche. Kleine Pfade führen durch das Gelände. Die Aussicht reicht auf das Tal und nach Eglingen.

Wacholderheide bei Eglingen

Diese Gegend ist noch sehr ursprünglich und lädt ein, das hektische Leben in der Großstadt zu vergessen. Hohenstein ist für längere Aufenthalte eher wenig erschlossen, für Tagesausflüge aber sehr gut geeignet. Alle Dörfer haben ihre Eigenheiten, und die Landschaft lässt sich am besten bei einer ausgedehnten Wanderung oder Radtour entdecken. Ausflügler finden auf dem Gemeindegebiet zahlreiche Parkplätze und Grillstellen.

Buttenhausen

An der Stelle des kleinen Ortes treffen sich die Straßen aus Gomadingen und Münsingen. Buttenhausen liegt im Großen Lautertal, umgeben von der rauen Hochfläche der Schwäbischen Alb, und ist heute ein Stadtteil von Münsingen. Die Entfernung dahin beträgt 10 Kilometer, in die Kreisstadt Reutlingen sind es 35 Kilometer.

Blick vom Wiesengrund auf Buttenhausen

Zu den Aspekten, die dem Ort eine hohe Authentizität verleihen, zählt auch seine abwechslungsreiche Geschichte. 1787 wurde es anfangs 25 jüdischen Familien erlaubt, sich hier anzusiedeln. Mit der Zeit wuchs die jüdische Gemeinde und bis zur Weltkriegszeit fand man hier, in der Nachbarschaft von Einrichtungen der christlichen Bewohner, auch eine jüdische Schule, eine Synagoge und ein Rabbinat. An die Vergangenheit von Buttenhausen erinnert heute ein ausgeschilderter Rundgang.

Mühlsteige mit Rabbinat (linke Bildmitte)

Der Rundgang wurde 1996 eingerichtet und führt den Besucher zu den Orten jüdischer und christlicher Bewohner. Der Besucher kann diese auf eigene Faust erkunden oder an den regelmäßigen Führungen teilnehmen. Näheres dazu ist zum Beispiel der lokalen Tagespresse entnehmbar. Der Rundgang ist verbunden mit der langen Geschichte des Judentums in Buttenhausen und erinnert an bekannte Namen wie etwa Matthias Erzberger, Theodor Rothschild oder Lehmann Bernheimer. Hierbei kommt man an den Gebäuden ehemaliger bedeutender Bewohner vorbei, an denen Informationstafeln angebracht sind. So handelt es sich um die kleine Realschule, die heute ein Museum beherbergt, den einstigen Versammlungssaal der jüdischen Bevölkerung, den Synagogenplatz und den jüdischen Friedhof mit seinen Grabsteinen mit hebräischer Inschrift. Der Rundgang dauert etwa eine Stunde.

Ehrenmal für die Opfer der NS-Zeit

Das Ehrenmal an der Schnittstelle der Wasserstetter Straße / Zwiefalter Straße / Heimtalstraße ist ein beliebter Ausgangspunkt für Touren durch Buttenhausen. Er erinnert an jene Bewohner, die als Opfer nationalsozialistischer Verfolgung ihr Leben lassen mussten. Eine Stele enthält die Gedenkinschrift, auf zwei weiteren sind deren Namen zu lesen. Es ist ein Ort der stillen Einkehr und bleibende Mahnung.

In der Bernheimer`schen Realschule ist ein sehr empfehlenswertes Museum untergebracht. Dort findet man Wissenswertes über das Zusammenleben von Christen und Juden. Dokumentiert wird auch die bewegte Zeit, in der viele Buttenhäuser Juden nach Amerika auswanderten und so ihr Leben retteten. Aber auch die Geschichte von denen, die bis zuletzt blieben und deportiert wurden, wird nicht verschwiegen.

Haus Löwenthal, Wohnsitz eines jüdischen Pferdehändlers und Gemeinderats, heute durch das Landheim Buttenhausen genutzt

Der Rundgang führt weiter durch den Ort, auf dessen westlicher Seite die Juden wohnten. An den ehemaligen Häusern jüdischer Mitbürger sind flächendeckend Schautafeln angebracht. Über die Mühlsteige erreicht man die Matthias-Erzberger-Gedenkstätte, vor der eine Infostele mit dem Abbild des Politikers der Weimarer Zeit steht. Das Museum dokumentiert seine Lebensgeschichte, unterstützt von Ton- und Filmaufnahmen.

An den Standort der alten Synagoge erinnert ein Gedenkstein mit der Abbildung von Menora und Davidstern. Das Bauwerk wurde mitsamt einem Großteil des Inventars in der NS-Zeit zerstört.

Matthias-Erzberger-Gedenkstätte

Im Jahre 1789 wurde der jüdische Friedhof eröffnet. Beinahe aus der gesamten Zeit der jüdischen Besiedlung finden sich hier Gräber. Die ältesten Stelen verfügen noch über hebräische Inschriften. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts finden sich auch Grabsteine in lateinischer Inschrift. In der NS-Zeit wurde der Friedhof zerstört und ab 1967 wieder hergerichtet. Zum Gedenken wurde eine Säule erstellt, auf der die jüdischen Besucher in alter Tradition gerne einen Stein ablegen. Der Friedhof ist tagsüber durchgehend geöffnet. Vom Friedhof hat man einen schönen Blick auf den Ort.

Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof

Auf der anderen Dorfseite steht seit jeher die Michaelskirche. Ein erster Bau ist für das 13. Jahrhundert belegt. Der Turm ist der erhaltene Rest, das neugotische Langschiff wurde im 19. Jahrhundert erbaut. Im Altarraum fallen große buntverglaste Fenster auf. Auf dem oberhalb gelegenen Friedhof befinden sich Reste einer alten Burg. Die Kirchengemeinde betreut auch die evangelischen Christen in Apfelstetten.

Der traditionsreiche Gasthof Adler mit der Michaelskirche

Die Burg Buttenhausen ist eine Burgstelle auf dem Gelände des Friedhofs oberhalb der Michaelskirche. Sie wurde Ende des 14. Jahrhunderts erstmals erwähnt und wechselte mehrfach den Besitzer. Nach 1800 verkam die Burg mitsamt ihren Stallungen. Jedoch wurden verschiedene Bereiche und der Fruchtkasten noch genutzt. Später riss man die Gebäude ab und errichtete hier den Neuen Friedhof. Erhalten ist bis heute die Terrassierung des Geländes und die äußere Wehrmauer, die sich auf Wegen umrunden lässt. Von beiden Seiten lassen sich ältere Elemente erkennen, die teilweise mit Beton verbaut sind. Ein Schild weist an der Außenmauer auf die Burgstelle hin.

Äußere Wehrmauer der Burg Buttenhausen

In den Räumen des Schlosses oberhalb der Wasserstetter Straße ist heute eine Einrichtung für Behinderte und Altenpflege untergebracht. Das Gebäude stammt vom Beginn des 19. Jahrhunderts.

Während der Sommersaison kann man ab Buttenhausen mit dem Kanu auf der Lauter fahren. Diese mündet in die Donau und fließt auf ihrem weiteren Weg durch ein romantisches Tal in einer typischen Alblandschaft.

Schloss Buttenhausen

Hechingen

Die Zollernstadt Hechingen liegt etwa 60 km südlich von Stuttgart entfernt. Die Kernstadt und acht Stadtteile haben zusammen etwa 19.500 Einwohner, die sich auf einer Fläche von 66,4 qkm verteilen. Die Höhe beträgt 528 m ü.NN. Früher war Hechingen die Residenzstadt des Fürstentums Hechingen-Hohenzollern. Bis 1973 hatte es den Status einer Kreisstadt und ist heute ein Mittelzentrum für das Umland. Die Stadt liegt in einer hügeligen Landschaft am Rande der Schwäbischen Alb, nicht weit weg von Neckarraum und Schwarzwald. Auch die Oberzentren Reutlingen und Tübingen spielen eine Rolle für die Wirtschaft Hechingens, sie sind 28 km bzw. 24 km entfernt.

Die Hohenzollerischen Lande, vom Ortsteil Sickingen aus

Von Römern, Alemannen und Preußen

Beim Ausbau der Bundesstraße B 27 fand man Hinweise auf eine erste Besiedlung der Hechinger Gegend um 1.500 v.Chr. Auch den Römern gefiel es in Hechingen. 1973 entdeckte man die ersten Reste eines Gutshofes nahe des Stadtteils Stein. Mit der Zeit wurde immer mehr ausgegraben, die Villa restauriert und schließlich der Öffentlichkeit als Freilichtmuseum zugänglich gemacht. Später übernahmen die Alemannen das Land, und gründeten die Stadt, worauf die typische -ingen - Endung hinweist.

Im Mittelalter waren die Bürger dem Herzogtum Schwaben zugehörig, und hier liegen auch die Anfänge der Zollerburg, auf der im 11. Jahrhundert bereits mächtige Grafen hausten. Hechingen liegt an einer uralten Straße, die bereits zu Römerzeiten existierte. Sie verbindet den Mittleren Neckarraum mit dem Übergang zum Schwarzwald bei Rottweil, danach weiter zum Hochrhein und zu den Alpenpässen. Auch im Mittelalter wurde die Straße genutzt und verschaffte Hechingen als Anliegerort einen gewissen Wohlstand.

Hechinger Marktplatz

Hier wohnten vor allem Katholiken, aber später auch einige jüdische Bürger. Bis heute zeichnet die B 27 ungefähr die alte Handelsroute nach, obgleich sie sich an manchen Stellen von den originalen Standorten wegentfernt. Durch eine Erbteilung 1567 entstand die Grafschaft von Hohenzollern-Hechingen sowie die von Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Haigerloch.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg führte man das Fürstentum ein. Als Fürst Konstantin in Folge der Märzrevolution 1848 das Zepter nicht annahm, kamen die drei katholischen Fürstentümer vereinigt an das protestantische Königreich Preußen. Hechingen war Oberamtsstadt, die Provinzhauptstadt wurde aber das an der Donau gelegene Sigmaringen. Die Hauptstadt des Staates war fortan Berlin. So finden sich auch heute noch viele Merkmale in Hechingen, die eher an preußische Tradition als an schwäbisches Brauchtum erinnern.

Die Schulstraße

Und doch ist es hier gelungen, beide Elemente auf einmalige Art und Weise zu verknüpfen. Der schwäbische Menschenschlag prägt das Zusammenleben. Doch nicht wie früher, wird die Zusammengehörigkeit durch die Religion bestimmt. Zwar sind mit 52 % immer noch die Mehrheit der Menschen katholisch, dazu sind 25 % heute evangelisch. 23 % sind konfessionslos oder gehören anderen Religionen an, zum Beispiel dem Islam, der im Norden der Stadt einen Moscheeneubau erstellt hat.

Hechingen erleben

Wer in Hechingen weilt, kann eine Menge entdecken und sich sein Programm nach Belieben zusammenstellen. Es gibt eine gut erhaltene, historische Altstadt mit zwei Stadtschlössern und der Fürstenvilla Eugenia. Nicht zuletzt ist Hechingen bekannt aufgrund seiner Bedeutung als hohenzollerische Residenz. Und was kommt dem Besucher da nicht sofort in den Sinn ? Eine Burg, die mit ihrer Bedeutung und Schönheit fast zu einem stellvertretenden Symbol für die Schwäbische Alb geworden ist.

Burg Hohenzollern, die preußische Residenz

Burg Hohenzollern

Jenes Bauwerk ist es, das Besucher aus Deutschland, Europa und der fernen Welt immer wieder auf´s Neue begeistern mag. Schon im 11. Jahrhundert hausten auf dem 855 Meter hohen Zollerberg die gleichnamigen Grafen. 1744 wurde das alte Gemäuer nach einem Krieg kampflos den Franzosen übergeben und verfiel daraufhin. 1850 wurde der Grundstein für eine beispiellose Anlage der Neugotik im deutschen Sprachraum gelegt, 1867 vollendete man die Burg. Sie war Stammburg der deutschen Kaiser und der preußischen Könige, und die Nachkommen sind noch heute die Besitzer. Sie zählt zu den schönsten und meist besuchten Burgen Europas. Die Anlage ist ganzjährig geöffnet, es finden regelmäßige Führungen statt.

Am Fuße der Burg kann man sehr gut im Restaurant Hofgut Domäne speisen. Es gehört zum Hotel Brielhof und befindet sich in der Nähe der B 27, an der Ausfahrt zur Burg. Neben der Gaststätte gibt es noch einen Biergarten und einen mexikanischen Bereich mit Live-Musik und Spezialitäten. Das Lokal ist zudem für Kinder, größere Gruppen und Ausflugsbusse geeignet.

Eingang zur Altstadt mit der Pfarrkirche Sankt Jakobus

Bummeln durch die Altstadt

Die Altstadt Hechingens hat eine gewisse Größe und daher auch einen repäsentativen Charakter. Trotzdem wirkt sie keinesfalls geplant, sondern weist viele kleine Gassen und alte Wohngebäude mit einem Eigenleben auf.

Gleich am Eingang zur Oberstadt fällt die Pfarrkirche Sankt Jakobus ins Auge. Die Stiftskirche wurde von 1780 bis 1783 im Stil des frühen Klassizismus nach den Plänen von Pierre Michel d'Ixnard erbaut. Der Architekt wurde in Nîmes geboren und in Paris und Italien ausgebildet. Das Kirchenschiff wird mit einem halbrunden Chor abgeschlossen und von einem Westturm überragt. Sehenswürdigkeiten sind die Deckengemälde im Chor, Schiff und in den Seitenkapellen. Große barocke Figuren dienen als Ergänzung des Gesamtbildes. Verlässt man die Kirchpartie, steht man schon auf dem Marktplatz. Hier finden sich viele sehenswerte Stadthäuser. Dazu gehören nicht nur einige Fachwerkhäuser, sondern auch das Rathaus und der 1994 bis 1998 von dem Bildhauer Dr. Klaus Ringwald gestaltete Rathausbrunnen. In den Erdgeschossen sind meist Geschäfte und gute Gastronomien untergebracht. Der Marktplatz ist ein guter Ausgangspunkt für weitere Entdeckungen, wie etwa in die Unterstadt, zu den Schlössern oder zur Alten Synagoge.

Läuft man vom Marktplatz die Treppen links herab, kann man schon den Unteren Turm sehen. Er ist das einzig erhaltene Stadttor Hechingens und befindet sich in der Nähe der Schlösser. Er wurde um 1579 von Graf Eitel Friedrich IV. erbaut und ist bis heute prägend für das Stadtbild. Der rot umrandete Durchgang markiert die Grenze des alten Hechingens. In diesem befinden sich die Wappen der Zollern.

Die ehemalige Kinderbewahranstalt

Ein sehr bemerkenswerter Komplex sind die Gebäude des Amtsgerichts Hechingen. Die Anlage besteht aus der Kinderbewahranstalt der Fürstin Eugenie von 1839, in der Elemente des Klassizismus und früher Elemente der Neorenaissance einfließen. Davor steht die Büste der Stifterin mit einer Dankesinschrift. Das Hauptgebäude wurde 1876 als hohenzollerisch-preußisches Landgericht erbaut. Nebenan befindet sich das Gefängnis.

Eine der weiteren Kirchen findet man in der Oberstadt mit der Johanneskirche. Sie wurde 1857 geweiht und war die erste evangelische Kirche der Provinz Hohenzollern. Da Preußen, zu dem Hechingen gehörte, ein protestantischer Staat war, beteiligte sich an der Ausstattung auch maßgeblich das Königshaus. Der Klinkerbau ist typisch für den preußischen Baustil damaliger Zeit.

Am Rande der Altstadt und gegenüber dieser Kirche befindet sich mit dem Fürstengarten ein sehr schöner Park. Hier steht die Villa Eugenia der Fürsten von Hohenzollern-Hechingen. Die Grünanlage wurde mit dieser im Stil eines englischen Landschaftsgartens vereinigt. Im Umfeld der schlossähnlichen Villa befinden sich Spazierwege, Blumenbeete und Bäume. Des Weiteren findet der Besucher dort das "Weiße Häuschen", in dem Ausstellungen veranstaltet werden, und einen Gedenkstein für Friedrich Wilhelm von Steuben.

Unterer Turm und Altes Schloss

Schlösser in Hechingen

Im Alten Schloss ist das Hohenzollerische Landesmuseum untergebracht. Hier findet der Besucher die Dauerausstellung mit Dokumentation der Geschichte und Kunstgeschichte des Landes Hohenzollern. Diese führt durch alle Zeiten, angefangen mit einem bronzezeitlichen Grab um 1.000 v.Chr. bis in die preußische Epoche der Region. Gegenüber steht das von 1818 bis 1819 im klassizistischen Stil unter den Fürsten von Hohenzollern-Hechingen errichtete Neue Schloss. Es hat drei Flügel und wurde ursprünglich größer geplant, aber nie ganz vollendet, da die finanziellen Mittel fehlten. Im Fürstengarten befindet sich die Villa Eugenia, ein frühklassizistischer fürstlicher Bau aus dem Jahre 1786. Sie war ein Treffpunkt preußischen und internationalen Hoflebens. Seit 1995 wurde sie umfassend saniert und ist heute ein Ort der Kunst, Kultur und Tagungszentrum.

Das Neue Schloss

Römisches Hechingen

Nahe des Stadtteils Stein führt eine Abzweigung zum Römischen Freilichtmuseum Villa Rustica. Im Jahre 1973 entdeckte der Bürgermeister der Gemeinde Stein die Mauern eines römischen Gutshofes im Wald in der Nähe des Ortes. Seit 1978 wurde wiederholt dort ausgegraben, bis schließlich feststand, dass man es hier mit einem großen Fund zu tun hatte. Es ist einer der bedeutendsten Gutshöfe nördlich der Alpen und steht seit 1991 der Öffentlichkeit zur Verfügung. Der Besucher kann hier die rekonstruierte Portikusvilla besichtigen, aber auch die sanitären Anlagen und weitere Entdeckungen wie das Mühlengebäude. Seit der Jahrtausendwende wurde der umliegende Wald gerodet, und darin machte man weitere Funde, die die Größe der Anlage erahnen lassen.

Die Villa Rustica bei Hechingen-Stein

Jüdisches Hechingen

Bereits 1490 wird ein jüdischer Einwohner in Hechingen erwähnt. Der Graf von Hohenzollern verkaufte den Juden 1540 10 Häuser an der Stadtmauer. Seit 1546 gab es auch eine eigene Synagoge, doch schon 1592 kam es zur Vertreibung. Nach dem Dreißigjährigen Krieg entwickelte sich wieder ein jüdisches Leben in Hechingen. Die Alte Synagoge wurde 1767 erbaut. Die jüdische Gemeinde vergrößerte sie von 1850 bis 1852 und versah sie 1881 mit einer neoklassizistischen Fassade. In der Reichsprogromnacht wurde die Hechinger Synagoge zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg erkannte man die Wichtigkeit des Gebäudes, und restaurierte es ab 1983. Seit 1986 dient die Synagoge als Erinnerungs- und Begegnungsstätte. Da sich mit dem Zuzug russischer Juden erneut eine eigenständige Gemeinde entwickelte, wird die Synagoge seit 2003 auch wieder als Gotteshaus genutzt.

Blick zur Hechinger Synagoge

Der Jüdische Friedhof wurde 1761 angelegt. Bis heute finden sich hier 650 Gräber. In jüdischer Tradition belässt man diese. Deshalb gibt es viele uralte Grabstelen mit hebräischen Inschriften. Besonders sehenswert ist auch die Friedhofshalle. Das Gelände kann nach Absprache mit der jüdischen Gemeinde oder der Touristinformation besichtigt werden. Es ist erreichbar über die erste Abzweigung im Industriegebiet an der Straße von Hechingen nach Bodelshausen.

Zu den jüdischen Familien, die in Hechingen lebten, zählten auch die Einsteins. Elsa Einstein wurde 1876 in der Schlossstraße 16 geboren und war die Cousine und zweite Ehefrau von Albert Einstein. Das Geburtshaus ist bis heute erhalten, gerne wird hier im Rahmen von Stadtführungen ein Zwischenhalt eingelegt.

Auf der linken Seite das geräumige Wohnhaus
der Familie Einstein


Geführt zu Stätten und Sehenswürdigkeiten

Wer gerne mehr Informationen über Hechingen hat, oder einfach etwas Besonderes erleben möchte, sollte eine der Stadtführungen besuchen. Sie werden vom Städtischen Bürger- und Tourismusbüro rund um das Jahr durchgeführt. Wer an einer Führung teilnimmt, kann zum Beispiel die Klosterkirche Sankt Luzen, den Schloßplatz, Natur und Landschaft, Sagen und Anekdoten, das musikalische oder das jüdische Hechingen besser kennenlernen. Natürlich ist auch eine Vielzahl an Gruppenführungen auf Voranmeldung buchbar.

Gut übernachten in Hechingen

Gastfreundlichkeit wird in den hohenzollerischen Landen und besonders in Hechingen groß geschrieben. Nicht umsonst war es eine Residenzstadt, und so waren Besucher aus der Fremde schon immer willkommen. Hier wird schwäbische Gemütlichkeit mit preußischer Ordnungsliebe kombiniert.

Reichlich Grün lockert den Hechinger Stadtkern auf

Genau zwischen dem Stadtkern von Hechingen und der Burg Hohenzollern befindet sich das Hotel Brielhof. Es bietet eine weithin bekannte Gastronomie, die für große Gruppen geeignet ist, und alle möglichen Annehmlichkeiten für einen Aufenthalt. Auch Haustiere sind erlaubt. Inmitten der historischen Altstadt ist das Hotel Klaiber gelegen. Es hat 27 Zimmer mit 35 Betten und verfügt über ein Restaurant und ein Café mit Konditorei. In den Räumen über dem Luxor Tempel Restaurant befindet sich mit dem Hotel Falken eine weitere Unterkunft. Das Bildungshaus St. Luzen war früher ein Franziskanerkloster - heute gehört es der Erzdiözese Freiburg und bietet Menschen einen Erholungsraum, um sich eine Auszeit vom Alltag zu verschaffen. Hier werden Kurse, Seminare und Treffen kirchlicher und anderer Gruppen, aber auch einzelne Gäste sind herzlich willkommen und finden dort auf Wunsch auch seelsorglichen Rat. Im Stadtteil Stein findet man den Gasthof Lamm. Hier ist man nicht weit entfernt vom römischen Freilichtmuseum. Der Gasthof Löwen ist in Hechingen-Boll. Er befindet sich seit 1780 in Familienbesitz und liegt am Fuße der Burg Hohenzollern.

Will man am liebsten seinen Urlaub ganz individuell gestalten, aber auch schnell in Hechingen sein, dann sind die Feriendörfer der Umgebung ein bevorzugtes Ziel. Zum einen gibt es das Feriendorf Tieringen, welches 25 km entfernt ist. Es garantiert familienfreundliche Ferien und bietet Freizeitgestaltung, Aktionen und Seminare auch für große Gruppen. Zum anderen liegt in 27 km Entfernung das Feriendorf Sonnenmatte in Sonnenbühl-Erpfingen. Es bietet ein Restaurant, Billard, Volleyball und Fahrrad-Verleih. In der Nachbarschaft sind mit der Jugendherberge und dem Azur Rosencamping zwei weitere Urlaubsangebote zu finden, die gut mit einem Besuch in Hechingen kombinierbar sind.

Die Villa Eugenia ist wieder ein Zentrum der Kultur

Tradition bewahren und schätzen

Hechingen bietet dem Besucher als drittgrößte Stadt im Zollernalbkreis eine attraktive Mischung aus Geschichte, Kultur und Sehenswürdigkeiten. Der Ruf als Residenzstadt der Hohenzollern hat sich bis heute bewahrt, und da man sich hier auch darum bemüht, kümmert man sich gerne um den Gast. Ob bei einem Museumsbesuch, einer Führung durch die Stadt oder einem Rundgang durch die preußische Geschichte - man wird von Hechingen nie genug sehen können. Wann immer man hierher kommt, immer werden sich neue Eindrücke ergeben. Selbst der Blick von den Zinnen der Burg Hohenzollern wird in jeder Jahreszeit anders sein, und genau das fasziniert die Besucher aus nah und fern.