Der Südbahnhof am Rand von Reutlingen

Der Südbahnhof liegt westlich von Eningen und trug nach der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Reutlingen-Kleinengstingen im Jahre 1892 die Bezeichnung "Eningen u.A.".

Alte Gleisanlagen am Bahnhof

Damit wollte man den Einwohnern des Ortes unter der Achalm entgegenkommen, auf dessen Gemarkung der Bahnhof eigentlich liegt. Da die Entfernung von hier zum alten Ortskern Eningens jedoch gut vier Kilometer beträgt, war die Situation nicht zufriedenstellend und man kümmerte sich rasch um eine Lösung. Also wurde 1899 eine Lokalbahn von Eningen nach Reutlingen eröffnet, die ab 1912 elektrisch betrieben wurde. Diese kreuzte den Südbahnhof, wo ab 1916 auch eine Straßenbahn nach Pfullingen abzweigte.

Der Südbahnhof

Die Bahn von Reutlingen auf die Alb fuhr bis 1969, von Reutlingen nach Honau bis 1980. Noch bis Mitte der 90er Jahre fuhren Güterzüge bis zum Südbahnhof. Heute ist der Südbahnhof der Vereinsraum der Eisenbahnfreunde Eningen unter Achalm. Sie kümmern sich um den Erhalt des Gebäudes und wollen hier ein Museum mit Ausstellung, Freigelände und Modellbahn sowie Eisenbahnbörsen einrichten.

Südbahnhof mit Straßenbaustelle

Im Moment verkehren rund um den Bahnhof noch mehrere Stadt- und Regionalbusse, die aber unterschiedliche Haltestellen anfahren. Eine Perspektive ist die Aufnahme des Stadtbahnbetriebes, der die alte Trassenführung aufnimmt und über Pfullingen-Unterhausen-Honau die Alb ans Unterland anbindet.Wenn viele Menschen die Bahn nehmen und ein guter Takt besteht, gäbe es somit auch weniger Straßenverkehr und die Orte entlang der Bundesstraßen wären entlastet.

Wo einst Obstbaumgärten und ein Pferdestall waren, schneidet heute die B 312 tief in die Landschaft ein. Sie ist ein Teil des Projekts Scheibengipfeltunnel.

Gruorn

Das alte Dorf Gruorn befindet sich auf der Schwäbischen Alb in der Nähe von Münsingen. Heute ist es ein Treffpunkt der Einheimischen, Attraktion und Ausgangspunkt vieler Wanderungen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen. Der Ort wurde 1939 innerhalb kurzer Zeit zum Zweck der Vergrößerung des Platzes geräumt und war danach verlassen.

Eingang nach Gruorn mit Schule und Stephanuskirche

Orte in der Umgebung von Gruorn wurden schon früh erwähnt. Trailfingen (die Tragolfinger marca) 758, die villa Dragolfingen mit 1 Kirche, Seeburg (Seburc) und Münsingen (die Munigesenger marca) im Jahre 770. Gruorn soll von den Alemannen gegründet sein. Auf der südöstlichen Markungsgrenze hat sich im Mittelalter die Burg Reichenau oder Rosenau befunden. Darauf deutet ein noch erhaltener Graben hin. Im Jahre 1108 erscheinen Beringer de Grure und wieder Waltherus de Gruron als Zeugen bei einer Schenkung an das Kloster Blaubeuren. 1137 schenken nach den Zwiefalter Annalen Ogge de Grurin und sein Bruder Cono dem Kloster Zwiefalten Güter in Gomadingen und am Ort.

Fresken in der Kirche

Heinrich Späth übereignete 1410 die Kirche zu Gruorn, die er von Württemberg zu Lehen hatte, an Conrad von Freyberg, genannt Stubenrauch. Das heutige Gotteshaus soll von einem Fräulein von Reichenau oder Rosenau gestiftet, oder wahrscheinlicher neu erbaut worden sein. Darauf verweist ein Wappen mit der Jahreszahl 1522, welches das Wappen des Fräuleins sein soll. Dieselbe Jahreszahl befindet sich auch an dem Chor. Das Langhaus der Kirche wurde im Jahr 1622 gebaut und 1822 erneuert. Der Chor ragt weit über dieses hervor. An der Stelle der Kirche soll einst eine uralte Kapelle gestanden haben. Filiale der Pfarrei war das Dorf Trailfingen. Ehemals soll Gruorn selbst Filiale von der alten Kirche zu Seeburg gewesen sein.

Die Kirche

Um das Jahr 1515 war Gruorn zusammen mit Hengen, Trailfingen, Rietheim, Seeburg und Wittlingen in einem gemeinschaftlichen Gericht und Unteramt verbunden. Bis in das 16. Jahrhundert zog sich durch die Gemarkung und nahe am Dorf eine Landstraße von Urach nach Ehingen. Sie kreuzt zwischen Zainingen und Gruorn die Hochstraße. Darüber hinaus verlief bis zum 16. Jahrhundert über Münsingen noch eine alte Handelsstraße aus Italien über den Bodensee und die Alb nach Nürnberg.

Die alte Straße nach Gruorn

Bereits 1535 hatte Gruorn einen evangelischen Prediger. Zu diesem Zeitpunkt gehörte es zum Amt Urach und verblieb in dem württembergischen Oberamt. Ab 1934 kam das Dorf bis zur Übernahme durch den Truppenübungsplatz noch für einige Jahre zum Kreis Urach. Um 1820 hatte Gruorn 446 Einwohner und zuletzt im Jahr 1938 665 Einwohner. Außer den Menschen die hier wohnten, mussten auch die Bewohner der Siedlung Heroldstatt und einiger verstreuter Höfe ihre Heimat verlassen.

Gruorn vom Flugzeug aus

Seit Juli 1945 wurde der Truppenübungsplatz von der französischen Armee genutzt. Bis zu den 1960er Jahren waren durch die Militärübungen im Dorf Gruorn alle Häuser zerschossen, teilweise schwer zerstört und wurden dann im wesentlichen abgerissen. Der Friedhof rund um die Kirche war ebenfalls betroffen. Leider wurde keine Rücksicht auf die kulturellen Hinterlassenschaften der alten Bewohner genommen.

Schafherde vor Ruinen

In der darauffolgenden Zeit kam es zur Instandsetzung zweier Gebäude. Daher blieben die alte Schule, erbaut 1881, und die Stephanuskirche mit dem Friedhof, sowie das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges für die Nachwelt erhalten. Außerdem existieren einige weitere Ruinen, die den Soldaten vormals für Schießübungen dienten.

Gefallenendenkmal mit Schule

Das Komitee zur Erhaltung der Kirche in Gruorn wurde gegründet und widmete sich den Aufbau- und Erhaltungsarbeiten. Seit 1968 treffen sich hier die Alt-Gruorner und auswärtige Interessierte jährlich an Pfingsten, um am Schicksal des Ortes teilzuhaben und seit 1973 auch den Gedenkgottesdienst in der Kirche zu feiern. 1992 erfolgte die Übergabe des Truppenübungsplatzes an die Bundeswehr. Nach dem Ende der militärischen Nutzung erfolgte eine großflächige Beseitigung von Munitionsresten und 2006 wurden markierte Wanderwege für die Öffentlichkeit freigegeben.

Die Mauern eines Hauses mit der Kirche im Hintergrund

Die alte Schule von Gruorn ist heute als Gedenkstätte hergerichtet und hat mit der Heimatstube auch eine kleine Gastwirtschaft, die an Sonntagen geöffnet ist. Immer noch findet jedes Jahr an Pfingsten das Zusammentreffen der Gruorner mit ihren Gästen statt, nur dass sie heute nicht mehr auf einen Tag im Jahr festgelegt sind, sondern jederzeit, wann es ihnen beliebt, das Dorf besuchen können.

 Die alte Schule von Gruorn

Ein frohes neues Jahr 2015!

Unseren Lesern wünschen wir alles Gute, viel Glück und Erfolg im neuen Jahr.
Bild: Der Märzenbrunnen bei Salmendingen.

Heimatmuseum Reutlingen

Bilder und Text: Mit freundlicher Genehmigung des Heimatmuseums Reutlingen

Das Heimatmuseum der Stadt Reutlingen ist in dem ältesten Teil des ehemaligen Königsbronner Klosters aus dem 13. Jahrhundert untergebracht. Das Museum wurde 1890 gegründet und 1996 grundlegend umgestaltet.
Auf fünf Stockwerken gibt das Heimatmuseum Einblicke in die Geschichte der ehemaligen Freien Reichsstadt vom 11. bis zum 20. Jahrhundert.

Oberamteistraße mit Heimatmuseum

Dabei ist die Auswahl äußerst ansehnlich und exzellent. Mittelalterliche Funde, Bildhauerarbeiten und Schätze aus der Kirchengeschichte, Ausstellungen über die alten Handwerkszünfte und das Zeitalter der beginnenden Industrialisierung, ein Dachboden mit Gegenständen aus dem ländlichen Bereich bis hin in die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Im Keller befindet sich ein historischer Luftschutzbunker.

Vitrine im Eingangsbereich

Einmalig ist auch eine integrierte geheime Kapelle aus der Reformationszeit. Zwei eigene Dokumentationen stellen die zwei berühmten Söhne der Stadt vor:

  • Nationalökonom und Eisenbahnpionier Friedrich List (1789 bis 1846)
  • Dichter und Schriftsteller Hermann Kurz (1813 bis 1873)


  • Friedrich List, geboren 1789 in Reutlingen

    Es gibt laufend Sonderausstellungen.
    Unter anderem waren bereits Funde der Kelten von der Achalm zu bewundern. Geplant sind Dauerausstellungen zur Vor- und Frühgeschichte sowie Alltags- und Kulturgeschichte.

    Ein Modell der Reutlinger Altstadt

    Im Heimatmuseum Reutlingen werden natürlich nicht nur archäologische Schätze der Region gezeigt, sondern auch Heimatgeschichtliches aus den letzten Jahrhunderten. Private Besitztümer gelangten oft in Eigentum der Stadt. So verfügt man heute über eine breite Palette an Objekten, die die Stadt Reutlingen bis in die Neuzeit dokumentieren.

    Püppchen und Figurales

    Das Heimatmuseum befindet sich in der Oberamteistraße 22 in 72764 Reutlingen, zwischen der Stadtbibliothek und der Marienkirche. In der Umgebung gibt es mehrere ausgeschilderte Parkhäuser und Parkplätze.

     Scheibenfragmente aus Glas, gefunden am Standort des Heimatmuseums

     Lanzen

     Sandsteinkapitell

     Krug- und Becherscherben vom 13. bis 15. Jahrhundert, von der Achalm

    Barocke Putten

    Grabplatte

    Glockengeläut

    Stadtwächter mit Lanzen

    Kanonenkugeln

    Stadtwappen vom Maximiliansbrunnen, um 1570

    Der württembergische Reformator Johannes Brenz

    Johannes Brenz wurde am 24. Juni 1499 in Weil der Stadt geboren, wo auch Johannes Kepler herkam, und starb am 11. September 1570 in Stuttgart. Er nahm an Auftritten von Martin Luther teil und schloss sich der lutherischen Lehre an. Er war der Wegbereiter für die Reformation in Württemberg. Von 1522 bis 1548 war er erst Prediger, dann Priester in Schwäbisch Hall, und reformierte von dort aus die Kirche. Johannes Brenz ist der Vorfahre zahlreicher Persönlichkeiten die Wurzeln in Württemberg haben, wie zum Beispiel Dietrich Bonhoeffer, Wilhelm Hauff, Hermann Hesse, Friedrich Hegel, Ludwig Finckh und vielen anderen. 

    Die Stadtkirche Sankt Peter und Paul in Weil der Stadt. 
    Hier wurde vermutlich der Reformator Johannes Brenz getauft.

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